Ärzte Zeitung online, 16.11.2010

AKW Biblis: IPPNW-Ärzte warnen vor Gesundheitsgefahr

BERLIN (eb). Die deutsche Sektion der Organisation "Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges", kurz IPPNW, warnt vor möglichen Gesundheitsgefahren, die vom Atomkraftwerk im hessischen Biblis ausgehen könnten. Anlass dafür ist der noch bis Dezember laufende Wechsel der Brennelemente im Reaktor Biblis B.

AKW Biblis: IPPNW-Ärzte warnen vor Gesundheitsgefahr

Atomkraftwerk Biblis, Block B: Durch den Austausch der Brennelemente werden Isotope freigesetzt, warnt IPPNW.

© Rüdiger Wölk / imago

Die beim Brennelementwechsel freigesetzten radioaktiven Isotope könnten Schwangere und ungeborene Kinder gefährden, heißt es in einer Mitteilung der IPPNW-Ärzte Dr. Annette Bänsch-Richter-Hansen und Dr. Winfrid Eisenberg.

"Wir fordern daher, die täglichen Emissions-Messwerte während des Brennelementwechsels zu veröffentlichen." Zudem sollten grundsätzlich alle Messdaten für unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung gestellt werden.

Seit dem 11. November werden nach Angaben von IPPNW im Reaktor Biblis B 92 der insgesamt 193 Brennelemente ausgewechselt. In den Medien wurde dies in den vergangenen Wochen anlässlich der Atompolitik der Bundesregierung publik. Der Betreiber RWE wolle durch den Austausch noch vor Jahresende die neue Brennelementesteuer sparen, hieß es.

Für den Wechseln muss der Reaktor geöffnet werden. Dabei entweichen nach IPPNW-Angaben große Mengen radioaktiver Isotope über den Abluftkamin. Die Organisation nennt unter anderem Tritium und das radioaktive Kohlenstoffisotop C 14.

"Mit der Atemluft, mit Essen und Trinken gelangen die strahlenden Teilchen in den mütterlichen Körper, sie werden inkorporiert", so die beiden Ärzte in ihrer Mitteilung. "Über die Blutbahn erreichen sie auch die Placenta und den Embryo bzw. den Fetus. Das sehr schnell wachsende ungeborene Kind baut die Isotope in seine Organe ein, wo sie lange Zeit verbleiben und genetische sowie Organschäden verursachen können." Es sei unstrittig, dass ungeborene Kinder extrem strahlenempfindlich sind.

Lesen Sie dazu auch:
Keine höheres Fehlbildungsrisiko in der Nähe von Atomkraftwerken

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

"Die Haltung der Kassen ist irrational"

Die Vertragsärzte kauen schwer am schwachen Ergebnis der Honorarverhandlungen für 2018. Es sei fraglich, ob der aktuelle Mechanismus auf Dauer ein geeignetes Preisfindungsinstrument sei, so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »