Ärzte Zeitung online, 19.11.2010

Cholera in Haiti stammt vermutlich aus einer Quelle

ATLANTA (eb). Die Choleraerreger, die in Haiti zu der verheerenden Epidemie geführt haben, stammen womöglich aus einer einzigen Quelle. Dieser neue Befund der US-Seuchenbehörde könnte die Unruhen unter der Bevölkerung weiter anheizen.

Cholera in Haiti stammt vermutlich aus einer Quelle

Proteste gegen die UN-Blauhelme in Mirebalais, Haiti: Die Menschen werfen den Soldaten aus Nepal vor, die Cholera ins Land gebracht zu haben.

© dpa

In ihrem aktuellen Wochenbericht (MMWR 2010; 59: 1473) schreibt die US-Seuchenkontrollbehörde "Centers for Disease Control and Prevention" (CDC), die in Haiti gefundenen Vibrio cholerae könnten durch ein einziges Ereignis in das Land gelangt sein.

Die Behörde hat dazu 14 Proben von betroffenen Patienten mit einer speziellen Elektrophorese-Methode (pulsed field gel electrophoresis, PFGE) untersucht. Das Ergebnis: "Alle 14 Isolate waren mit allen verfügbaren Untersuchungen nicht zu unterscheiden."

Den Ergebnissen zufolge wurden alle untersuchten Erreger der Serogruppe O1, dem Serotyp Ogawa und dem Biotyp "El Tor" zugeordnet. Dieser Erreger wurde früher bereits in südasiatischen Ländern nachgewiesen. Die CDC betont aber, dass auch er auch schon "an anderer Stelle" aufgetreten ist.

Die Forscher resümieren nun: "Falls diese Isolate repräsentativ für die in Haiti zirkulierenden Erreger sind, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass er durch ein einziges Ereignis in das Land gelangt ist."

Brisanz erhalten die CDC-Ergebnisse vor dem Hintergrund der derzeitigen Unruhen in Haiti. Die Bevölkerung demonstriert dort unter anderem gegen nepalesische UN-Blauhelmsoldaten. Sie wirft der UN-Mission MINUSTAH vor, die Cholera ins Land gebracht zu haben.

Anfang der Woche sind bei Protesten zwei Menschen ums Leben gekommen. Erste Unruhen haben mittlerweile auch die Hauptstadt Port-au-Prince erreicht.

Die CDC betont, dass bis zu einer endgültigen Zuordnung weitere Tests notwendig seien. Derzeit arbeite man an einer vollständigen Sequenzierung des Genoms. Zwar gibt es in den Gendatenbanken bislang nur wenige entschlüsselte Genome von Vibrio cholerae.

Die Behörde ist dennoch zuversichtlich, durch einen Genomabgleich bessere Erkenntnisse über die Epidemiologie und den geografischen Ursprung zu erhalten.

Durch ihren jüngsten Untersuchungen konnte die CDC zudem die Wirksamkeit sowie Resistenzen von verschiedenen Antibiotika nachweisen.

Demnach sind bei den in Haiti gefundenen Erregern Tetrazykline wirksam, während die Erreger gegen Sulfisoxazol und Nalidixinsäure resistent sind. Auch Azithromycin sei wirksam, Ciprofloxacin nur mit Einschränkungen. Resistenzen seien auch gegen Furazolidon gefunden worden.

Die Behörde empfiehlt als Standardtherapie eine Einzeldosis Doxycyclin für Nicht-Schwangere und Kinder, und bei Schwangeren Azithromycin.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »

Rettungsgasse blockieren kostet 320 Euro

Länderkammer verschärft die Bußgeldhöhe, wenn Rettungsgassen nicht beachtet werden. mehr »

Palliativmedizin erfordert Zusatzqualifikation

Die Debatte um die Verpflichtung von Hausärzten zur Zusatzausbildung in Palliativmedizin schlägt hohe Wellen. In der KBV-Vertreterversammlung am Freitag wurde KBV-Vize Hofmeister nun grundsätzlich. mehr »