Ärzte Zeitung online, 01.12.2010

Mütterliche Ernährung beeinflusst den Geruchssinn der Kinder

LONDON (dpa). Die Ernährung der Mutter während Schwangerschaft und Stillzeit prägt den Geruchssinn des Nachwuchses - zumindest bei Mäusen. Darüber hinaus beeinflusst die Nahrung aber auch die Entwicklung des Riechkolbens im Gehirn.

Dies helfe dem Mäusenachwuchs, schmackhaftes und verträgliches Essen von Geburt an zu erkennen sowie ihre Mütter oder enge Verwandte zu identifizieren. Ob es beim Menschen einen ähnlichen Mechanismus gibt, haben die Forscher nicht untersucht. Sie halten es jedoch für möglich ("Proceedings B" der britischen Royal Society online).

Josephine Todrank von der University of Colorado in Aurora und ihre Mitarbeiter hatten Mäusen während der Schwangerschaft und in der anschließenden Säugezeit Nahrung verabreicht, die nach Minze, beziehungsweise Kirsch oder neutral schmeckte. Bekamen die Jungtiere am 20. Lebenstag Minz-, Kirsch- und neutral schmeckendes Futter vorgesetzt, bevorzugten sie stets das Futter, das ihre Mütter in der Schwangerschaft und Säugezeit gefressen hatten.

Gleichzeitig waren bestimmte Strukturen im Riechkolben des Gehirns der Jungtiere besonders stark ausgeprägt, sogenannte Glomeruli. Glomeruli sind kugelige Gebilde, in denen alle Nerven von Riechzellen eines Typs zusammengefasst werden. Genau die Glomeruli, deren Nerven durch den Minz-, beziehungsweise den Kirschgeschmack aktiviert werden, waren nun stark vergrößert, berichten die Forscher.

Sie spekulieren, dass die Vorgänge beim Menschen ganz ähnlich sein könnten. Frauen würden damit schon in der Schwangerschaft die späteren kulinarischen Vorlieben und Abneigungen des Nachwuchses prägen.

Dies sei ein weiterer Grund, in der Schwangerschaft auf Alkohol zu verzichten. Da das Ungeborene alles von der Mutter kommende als "sicher" bewertet, könnte so schon frühzeitig eine Vorliebe für Alkohol geweckt werden, sagte Todrank laut einer Pressemitteilung der Universität. Bisher sei aber unklar, wie lange die beobachteten Auswirkungen anhielten.

Zum Abstract der Studie (nach Freischaltung des Links durch die Fachzeitschrift)

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