Ärzte Zeitung online, 06.12.2010
 

Wikileaks: Deutsche Pharma-Industrie bedeutend für die nationale Sicherheit der USA

LONDON (eb/dpa). Nachdem die umstrittene Plattform Wikileaks eine Viertelmillion US-Botschaftsberichte veröffentlicht hat, entdecken Medien zunehmend auch skurrile Dinge in den Dokumenten. Nun zitiert die britische "Times" eine Liste, die für die USA wichtige Objekte in aller Welt nennt - darunter auch deutsche Pharmastandorte.

Wikileaks: Deutsche Pharma-Industrie bedeutend für die nationale Sicherheit der USA

Vertrauliche US-Botschaftsdepeschen auf Wikileaks: Eine Liste aus dem US-Außenamt stuft deutsche Pharmafirmen als wichtig für die nationale Sicherheit ein.

© dpa

An erster Stelle der deutschen Objekte in der Auflistung des US-Außenministeriums wird der BASF-Stammsitz in Ludwigshafen genannt. Er sei der "weltgrößte integrierte Chemiekomplex", heißt es in der Liste.

Auch der deutsche Standort von Sanofi-Aventis in Frankfurt am Main wird genannt - mit Verweis auf die dort angesiedelte Herstellung von Insulin (Lantus®).

Aus dem mittelhessischen Marburg haben es gleich zwei Firmen auf die US-Liste geschafft: CSL Behring und Novartis Vaccines. Während CSL wegen der Herstellung von Gerinnungsfaktoren für die Hämophilie-Therapie genannt wird, schaffte es der Marburger Impfstoff-Standort von Novartis wegen einer Tollwut-Vakzine in die Liste.

Aber auch Spezialhersteller haben ihren Platz in die Liste gefunden. So nennt das US-Außenministerium etwa den Hersteller Hameln Pharma und das Berliner Familienunternehmen Heyl. Beide Unternehmen produziert DTPA (Diethylentriaminpentaessigsäure), das für die USA zur Entgiftung bei Plutonium-Kontamination relevant ist.

Auch der Dessauer Anbieter IDT Biologika ist offenbar für die nationale Sicherheit der USA wichtig. Das Unternehmen stellt unter anderem Tier- und Humanimpfstoffe her, darunter auch eine Vakzine gegen Pocken.

Für die britische "Times" stellt die Liste potenzielle "Terrorziele" weltweit dar. Genannt werden neben den Pharmafirmen hunderte Pipelines und wichtigen Internet-Datenkabel auf der ganzen Welt. Auch andere Firmen, deren Produkte wichtig für die nationale Sicherheit der USA seien, listet das Dokument auf.

Nach Ansicht der BBC wird durch das Dokument erstmals deutlich, wie weitgehend die US-Regierung die Bedeutung ausländischer Objekte und Einrichtungen für die eigene Sicherheit interpretiert.

Die US-Vertretungen in aller Welt seien im Februar vergangenen Jahres von Washington aufgefordert worden, Objekte aufzulisten, deren Verlust Einschränkungen für das Gesundheitswesen, die Wirtschaft und die nationale Sicherheit der USA zur Folge hätten.

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