Ärzte Zeitung online, 09.12.2010

Der Winter schlägt in ganz Europa zu

Blitze und Regen, anschwellende Flüsse, Schneematsch, klirrende Kälte und ein Wirbelsturm: Gefährliche Wetterphänomene haben in Europa erneut mehrere Menschen das Leben gekostet.

FREIBURG/MADRID (dpa). Heftige Unwetter und starker Regen haben in Europa mehrere Menschen das Leben gekostet. In Freiburg wurde ein Mann vom Hochwasser der Dreisam mitgerissen. Seit Dienstagabend sei er unauffindbar und sehr wahrscheinlich tot, teilte die Polizei am Mittwoch mit.

In Portugal wurden bei einem Wirbelsturm mindestens 40 Menschen verletzt. In Spanien riss ein Fluss ein Auto mit, in Italien erschlug ein fallender Baum eine Polizistin. In Polen stieg die Zahl der Kältetoten. In Paris gab es ein Schneechaos. Schnee und Eis führten auch auf deutschen Straßen zu zahlreichen Unfällen.

Der Mann in Freiburg hatte ein Fahrrad von einem gesperrten Uferweg holen wollen, da rissen ihn die Fluten fort. Starker Regen im Schwarzwald hatte den Pegel der Dreisam von rund 40 Zentimetern auf mehr als 1,20 Meter ansteigen lassen. Auf dem Neckar wurde am Mittwoch wegen Hochwassers der Schiffsverkehr zwischen Lauffen und Heidelberg eingestellt.

In Portugal richtete ein Tornado im Zentrum des Landes schwere Verwüstungen an und löste unter den Bewohnern der betroffenen Orte eine Panik aus. Unter den Verletzten seien auch 19 Kinder, teilten die Behörden am Mittwoch in einer Bilanz mit.

Der Sturm war am Dienstag 150 Kilometer nordöstlich von Lissabon über mehrere Gemeinden hinweggefegt. Mindestens 200 Häuser, zahlreiche Schulen, Hunderte Fahrzeuge und eine Fabrik wurden zerstört. Viele Menschen seien obdachlos geworden, aber die meisten seien von Angehörigen oder Nachbarn aufgenommen worden, teilte der Zivilschutz mit.

Im Süden Spaniens in der Gegend von Ciudad Real riss der Fluss Alcudia, der nach heftigem Regen Hochwasser führte, einen Geländewagen mit drei Menschen mit. Ein neunjähriger Junge wurde tot geborgen. Sein Vater und ein 16-jähriger Bruder hatten sich in Sicherheit bringen können.

In der Gegend von Jaén erschlug der Blitz einen Mann. In Andalusien traten mehrere Flüsse über die Ufer. Teile der Kleinstadt Ecija standen unter Wasser, 3000 Bewohner mussten ihre Wohnungen verlassen.

In Norditalien erschlug ein vom Sturm umgerissener Baum eine 43- jährige Polizistin. In der Region Emilia drohten Flüsse über die Ufer zu treten.

In Polen stieg unterdessen die Zahl der Kältetoten auf 68 seit November. Allein in der ersten Dezemberwoche erfroren 53 Menschen, teilte die Polizei in Warschau mit.

Nach ungewöhnlich heftigen Schneefällen saßen am Mittwochabend tausende Fluggäste auf den beiden Pariser Großflughafen fest. Mehr als 100 Flüge waren allein bei der Fluggesellschaft Air France am Charles-de-Gaulle-Airport ausgefallen, gut drei Dutzend Flüge wurden auf andere Flughäfen umgeleitet. Eine ähnliche Situation gebe es in Orly, teilte die Airline am Abend mit.

Nach TV-Berichten waren alle Hotels im Umkreis der Flughäfen ausgebucht, so dass gestrandete Passagiere mit Bussen bis zu 40 Kilometer ins Umland gefahren werden mussten. Beide Flughäfen waren vorübergehend geschlossen worden.

Am Abend gab es nach Rundfunkberichten rund um Paris mit insgesamt 420 Kilometern Stau einen Rekordwert. 5000 Polizisten und Gendarmen waren im Einsatz, diverse Notunterkünfte wurden eingerichtet.

Die Fluggesellschaft Luxair hat wegen starken Schneefalls am Luxemburger Flughafen alle für den Mittwochabend vorgesehenen Flüge gestrichen. Flieger nach Luxemburg würden umgeleitet oder warteten am Abflugort darauf, dass der Airport Luxemburg wieder geöffnet werde, hieß es in einer Mitteilung. Gemäß der Wettervorhersage war dies nicht vor 22 Uhr am Mittwoch zu erwarten.

In Deutschland führten Schnee und Glatteis wieder zu etlichen Unfällen. In Thüringen stießen am Morgen ein Auto und ein Lastwagen im Schneematsch frontal zusammen. Dabei wurde ein 37-Jähriger so schwer verletzt, dass er später im Krankenhaus starb. Nahe Kirburg in Rheinland-Pfalz starb eine Frau, die auf schneeglatter Straße mit ihrem Wagen verunglückte.

Auch im Saarland und in Hessen behinderten Schnee und Regen am Mittwoch den Verkehr massiv. Am Frankfurter Flughafen gab es zahlreiche Verspätungen, einige Flüge wurden annulliert. In Leipzig brach am frühen Abend der Straßenbahnverkehr komplett zusammen. Wegen vereister Oberleitungen fuhr im gesamten Stadtgebiet seit 17 Uhr keine einzige Straßenbahn mehr.

In Oberfranken beschäftigten umgestürzte Bäume und überflutete Keller Polizei und Feuerwehr. Zahlreiche Straßen vor allem im Fichtelgebirge und in der Fränkischen Schweiz waren blockiert. In Nordrhein-Westfalen schneite es am Mittwochabend heftig.

In Baden-Württemberg rettete ein Autofahrer einen 23-Jährigen. Der Mann war nach einer Zechtour auf dem Heimweg gestürzt und liegengeblieben. Der 24-jährige Autofahrer sah ihn und rief den Notarzt. Der 23-Jährige war stark unterkühlt und hatte bereits das Bewusstsein verloren.

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