Ärzte Zeitung online, 14.12.2010
 

China: Heimleiter verkauft geistig Behinderte als Sklaven

Er nannte sein Heim "Selbsthilfezentrum" für Menschen mit geistiger Behinderung. Doch anstatt sie zu betreuen und Hilfe zu leisten, hielt ein chinesischer Heimleiter seine Schützlinge als Gefangene und verkaufte sie als Sklaven. In China ist das offenbar kein Einzelfall.

PEKING (dpa). Der Leiter eines Heims in Südwestchina hat geistig Behinderte als Sklaven an eine Fabrik verkauft. Chinesische Medien berichteten am Dienstag, Zeng Lingquan sei unter dem Vorwurf festgenommen worden, elf Bewohner seines "Selbsthilfezentrums" im Kreis Quxian in der Provinz Sichuan an eine Fabrik für Baumaterialien in der fernen Region Xinjiang in Nordwestchina verkauft zu haben.

Die Polizei reagierte auf einen Pressebericht der "Xinjiang Dushibao", dass die Fabrik im Kreis Toksun offensichtlich geistig gestörte Arbeiter einsetze.

Fabrikdirektor Li Xinglin glaubte, für eine Umweltgeschichte interviewt zu werden, und berichtete nebenbei, dass die Arbeiter von dem Heim in Sichuan stammten.

Das Zentrum in Sichuan war als Obdachlosenheim gegründet worden und auch als "Adoptionsagentur" für geistig und körperlich Behinderte bekannt, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Nach Angaben der Zeitung wurden die Arbeiter wie Sklaven gehalten und erhielten keinen Lohn. Acht der elf unbezahlten Arbeiter waren nach dem Eindruck der Reporter geistig behindert.

Die Fabrik wurde nach den Enthüllungen geschlossen. Der Fabrikdirektor hat laut Xinhua mit rund einem dutzend geistig behinderter Arbeiter die Flucht ergriffen und den Zug nach Sichuan genommen. Nach ihm wird gefahndet.

Nach weiteren Medienberichten hatte die Polizei schon 2007 wegen des Vorwurfs des Menschenhandels gegen den Heimleiter ermittelt. Hintergrund war der Tod eines Bettlers, der an eine Ziegelei verkauft und dort zur Arbeit gezwungen worden war.

Seit dem Skandal um weit verbreitete Sklaverei und Misshandlungen in Ziegeleien in der Provinz Shanxi 2007 haben chinesische Medien wiederholt Fälle von Zwangsarbeit enthüllt.

Vergangenen Monat berichtete eine Zeitung von einem geistig Behinderten, der nach zwölf Jahren Zwangsarbeit in der Südwestprovinz Yunnan befreit worden war.

Im Januar hieß es in einem Fernsehbericht in Shanghai, in der Provinz Hubei arbeiteten geistig Behinderte in Ziegeleien für nur 208 Yuan, umgerechnet 23 Euro, im Jahr.

Aktivisten aus Hongkong beklagten vor zwei Jahren in einem Bericht, dass sich trotz des Skandals 2007 wenig verbessert habe. Es gebe immer noch Nachfrage nach solchen Zwangsarbeitern, die von einem gut funktionierenden Netzwerk bedient werde, schrieb das China Labour Bulletin.

"Es scheint, den Behörden fehlt entweder der politische Wille oder die Fähigkeit, das Problem der Zwangsarbeit zu kontrollieren und zu beseitigen."

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