Ärzte Zeitung online, 30.12.2010

Mit viel Bewegung lässt sich der Leistungsknick im besten Alter vermeiden

KÖLN (eb). Leistungseinbußen im mittleren Lebensalter sind weniger auf biologische Alterung, sondern vielmehr auf ungünstige Alltagsgewohnheiten und fehlende Bewegung zurückzuführen. Sogar ältere Nichtsportler können durch regelmäßiges Training bemerkenswerte Leistungen erzielen, betonen Sportmediziner.

Forscher um Professor Dieter Leyk von der Deutschen Sporthochschule Köln untersuchen in der seit 2005 laufenden PACE-Studie* den Einfluss von körperlicher Aktivität auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Dazu werden einerseits Sportler (Läufer, Walker, Radsportler, Schwimmer, Turner, Krafttrainierende) und anderseits körperlich wenig aktive Erwachsene (etwa aus Belegschaften von Unternehmen und Behörden) untersucht, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP).

Die Analyse von 900 000 Laufzeiten von 20- bis 80-Jährigen bei Halbmarathon und Marathonwettbewerben hat die Forscher jetzt überrascht: Vor dem 55. Lebensjahr traten bei den Läufern keine signifikanten Leistungsverluste auf. Ein Viertel der 60- bis 70-Jährigen war sogar schneller als die Hälfte der 20- bis 50-Jährigen. Erstaunlich fanden die Sportmediziner auch die große Zahl der über 50-Jährigen Sport-Neueinsteiger: Ein Drittel der 50- bis 60-Jährigen und ein Viertel der 60- bis 70-Jährigen hatten erst in den letzten fünf Jahren mit regelmäßigem Training begonnen.

"Ein Marathon ist Nicht-Sportlern und Sporteinsteigern selbstverständlich nicht zu empfehlen", betonen die Forscher. Über Bewegungsmuffel sei aber vergleichsweise wenig bekannt. Quantifizierbare Angaben über Ursachen sportlicher Abstinenz werden daher verstärkt untersucht, aber auch Auslöser für körperliche Aktivität. Auf Grundlage der Daten sollen dann spezifische Empfehlungen für die Zielgruppen ausgesprochen werden. Die Daten der PACE-Studie sind unter anderem Grundlage hierfür.

Inaktivät, Übergewicht und mangelnde Stressbewältigung sind nicht nur für die wachsende Zahl älterer Menschen, sondern auch für viele Arbeitnehmer im mittleren Alter ein großes Problem. Viele Beschäftigte seien heute selbst alltäglichen beruflichen Anforderungen kaum noch gewachsen, betonen die Forscher. Fragen von Leistungsfähigkeit und Trainierbarkeit würden daher immer wichtiger.

*PACE steht für Performance, Age, Competition, Exercise;

Infos: www.dshs-koeln.de/pace

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