Ärzte Zeitung online, 29.12.2010

Kalte Nächte werden zur Todesgefahr für Obdachlose in ganz Europa

BERLIN (dpa). Die Prognose des Deutschen Wetterdienstes für die Nacht zum Mittwoch bedeutet für Obdachlose potenziell Lebensgefahr: "Die Temperatur geht auf Werte zwischen -1 Grad im Westen und -20 Grad im Osten zurück, örtlich wird es sogar noch kälter." Zum Vergleich: Eine Gefriertruhe erreicht minus 18 Grad Celsius.

Kalte Nächte werden zur Todesgefahr für Obdachlose in ganz Europa

Kalt und schneereich ist der Winter bisher in Deutschland - wie hier im Erzgebirgsort Scheibenberg in Sachsen. Für Obdachlose können die tiefen Temperaturen lebensbedrohlich werden.

© dpa

Auch angesichts dieser Vorhersage bereiten sich Helfer vor, den Betroffenen bei klirrender Kälte zur Seite zu stehen. Im vergangenen Winter gab es bundesweit 17 Kältetote.

Kommunen und Bürger achten nach Ansicht eines Experten in diesem Winter verstärkt auf Obdachlose. "Die Leute sind sensibilisiert", erklärte der Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, Thomas Specht, in einem Gespräch mit dpa. "Viele sehen stärker hin und verständigen Hilfsorganisationen oder Polizei, wenn sie jemanden draußen liegen sehen." Oft wehrten sich die Obdachlosen allerdings, mit in Unterkünfte zu kommen, weil sie schlechte Erfahrungen damit gemacht hätten.

In den kommenden sehr kalten Nächten sei es besonders wichtig, an die zu denken, die draußen übernachten, sagte Specht: "Einrichtungen sollten auch tagsüber geöffnet sein, U-Bahn-Stationen nachts offen gelassen werden, um Wohnungslosen Unterschlupf zu bieten." So könnten Obdachlose vor dem möglichen Kältetod bewahrt werden.

Der bedroht auch in Belgien die Menschen ohne Wohnung. Nach Medienberichten gab es in diesem Winter allein in Brüssel mehrere Tote, vor allem in Einrichtungen der Metro. Angesichts des harten Winters reagieren die Behörden. Die Regionalregierung Brüssels stellte Mitte Dezember 150 000 Euro für die Unterbringung von Obdachlosen und Flüchtlingen aus anderen Ländern zusätzlich bereit, der Gesamtbetrag beläuft sich jetzt auf 600 000 Euro. Es können jetzt bis zu 500 Personen untergebracht werden, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

In Polen sind in diesem Winter bis zum 26. Dezember bereits 127 Menschen erfroren (wir berichteten). In Ungarn zählte die Nachrichtenagentur MTI allein im Dezember mehr als 20 Kältetote, darunter zwei Obdachlose. Acht Menschen erfroren in ihren ungeheizten Wohnungen. In Rumänien meldeten die Medien in diesem Dezember ganze 6 Kältetote - darunter ein Obdachloser und zwei alte Leute in ungeheizten Wohnungen.

Riesiges Glück hatte am frühen Dienstagmorgen hingegen ein 24 Jahre alter Niederländer. Nach einem Kneipenbesuch und einer Odyssee durch den tief verschneiten Winterwald im Sauerland wurde er mit Unterkühlungen in Krankenhaus gebracht, teilte die Polizei in Meschede mit.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wie kommen Ärzte an benötigte Grippe-Vakzinen?

Gesundheitsminister Spahn hat die rechtliche Grundlage gelegt, Grippe-Impfstoffe unter Ärzten auszutauschen. Aber wie geht das vonstatten? Darüber scheint Unklarheit zu herrschen. mehr »

Mit Pflege-Ko-Pilot Gewalt vermeiden

Etwa 1,5 Millionen Menschen werden zu Hause ohne Hilfe von Profis gepflegt. Überforderung, Vernachlässigung und nicht selten auch Gewalt sind die Folgen. Jetzt wird über Hilfe für die Helfer nachgedacht. mehr »

Mehr Handhygiene in Kita – weniger Atemwegsinfekte

Handhygieneprogramme in Kitas, bei denen Desinfektionsmittel eingesetzt werden, tragen offenbar dazu bei, Atemwegsinfekte bei unter Dreijährigen deutlich zu verringern. mehr »