Ärzte Zeitung online, 30.12.2010

Sex erst nach der Hochzeit - das Rezept für ein langes, glückliches Eheleben?

PROVO (mal). Sex schon vor der Hochzeit oder erst danach? Was gibt eine größere Garantie für eine lange intakte Partnerschaft, ein zufriedenes Eheleben? US-Forscher wagen jetzt eine Antwort: Partner, die mit dem ersten Sex bis nach der Hochzeit warten, leben nach ihren Erkenntnissen in harmonischeren und stabileren Beziehung als Partner, die es mit dem Sex eilig haben.

Sex erst nach der Hochzeit - das Rezept für ein langes, glückliches Eheleben?

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© Zagorey Alexander / fotolia.com

Eine mögliche Erklärung ist für die US-Forscher: Paare, die mit dem Sex warten, sprechen auch mehr miteinander und lernen besser, gemeinsam Probleme zu lösen.

"Wir behaupten nicht, dass es für eine Beziehung keine Hoffnung gibt, wenn man schon früh Sex hat", wird Professor Dean Busby von der Brigham Young University in Provo im US-Staat Utah online in "The Salt Lake Tribune" zitiert. Offenbar verlören aber durch frühen Sex andere Dinge in einer partnerschaftlichen Beziehung an Bedeutung.

Die im "Journal of Family Psychology" veröffentlichten Ergebnisse der Datenanalyse von Busby und seinen Kollegen lauten - jeweils im Vergleich mit Partnern, die Sex schon innerhalb des ersten Monats des engeren Kennenlernens hatten:

Für Partner, die mit dem Sex bis nach der Hochzeit warten, ist

  • ihre Beziehung 22 Prozent stabiler
  • die Zufriedenheit um 20 Prozent höher
  • die Qualität der sexuellen Beziehung um 15 Prozent besser und
  • die eheliche Kommunikation um 12 Prozent besser.

Natürlich haben die US-Forscher auch religiöse Aspekte bei ihrer Studie berücksichtigt. "Unabhängig von der Religiosität trägt das Warten mit Sex dazu bei, in der Beziehung bessere Kommunikationsprozesse aufzubauen", wird Busby vom Nachrichtendienst "EurekAlert" zitiert. "Und diese tragen dazu bei, die langfristige Stabilität einer Beziehung und die Zufriedenheit der Partner zu verbessern. "

Für ihre Studie haben Forscher um Busby auf die Angaben in Fragebögen zurückgegriffen, die zwischen den Jahren 2006 und 2009 online ausgefüllt werden konnten. Darin sollten 276 Fragen zur ehelichen Beziehung beantwortet werden, darunter auch die Frage: "Wann wurden Sie in Ihrer Beziehung sexuell aktiv?"

Für ihren Datenpool wählten Busby und seine Kollegen aus 20 000 Datensätzen dann letztlich die Antworten aus 2035 Fragebögen aus, die ein repräsentatives Querschnitt der Bevölkerung wiedergeben sollten: Bei den Antwortenden handelte sich um heterosexuelle Personen im mittleren Alter von 36 Jahren, die - zum ersten Mal - verheiratet waren. 16 Prozent der Fragebögen waren von Paaren ausgefüllt worden, die erstmals nach der Hochzeit Sex hatten.

Für die Studie seien die Antworten geschiedener Paare nicht berücksichtigt worden, merkt "The Salt Lake Tribune" an. Etwa die Hälfte aller Ehen in den USA würden aber wieder geschieden. Die Begründung Busbys für den Ausschluss der Antworten Geschiedener sei gewesen, dass das Mischen der Antworten bereits gescheidener und verheirateter Paare einem Vergleich von Äpfeln mit Birnen gleichkomme.

Eine prospektive, kontrollierte Studie, die harte Daten liefern könnte, sei bei der gegebenen Fragestellung natürlich nicht möglich, wird Busby in "The Salt Lake Tribune" zitiert: "Hier kann man keine randomisierte Studie machen, bei der man vorgibt "Ihr habt Sex, und Ihr nicht!"

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Panorama (30883)
[01.01.2011, 19:32:49]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Nachbemerkungen wegen einiger Rückfragen
Ich habe einen satirischen Kommentar mit Verballhornung und Verfremdungseffekten geschrieben: „Fighting for freedom is like fucking for virginity“ war als (literarische) Provokation gemeint. Die politische Friedensbewegung ist daran gescheitert, dass wir nicht tatenlos bleiben können, wenn marodierende Mörderbanden Menschen eines Landes terrorisieren. Nicht aktiv für Frieden und Freiheit kämpfen zu wollen, hieße Wegsehen und Nichtstun – auch das kann töten. Im historischen Original der Ostermarschbewegung hieß der Spruch: „Fighting for peace is like fucking for virginity“, aber unser Denken ist 65 Jahre weiter. Die Ambivalenz der Betrachtung und Entscheidung, allerdings, bleibt bestehen. Bei Madonnas Liedtext heißt es im Original: „Like a virgin, touched for the very first time“, aber ist sie damit noch authentisch? Sie wechselt doch locker von „Virgin“ zu „Vamp“ und zurück, for the very next time! Frohes Neujahr! zum Beitrag »
[30.12.2010, 19:29:31]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"The family that lay together, stays together?"
Das einzig signifikante Ergebnis war der übersteigerte Ehrgeiz des Untersuchers und die absolute Beliebigkeit seiner Aussage. Damit kann das Ergebnis von Professor Dean Busby von der Brigham Young University in Provo im US-Staat Utah, in "The Salt Lake Tribune" veröffentlicht, charakterisiert werden.

Klingelt es vielleicht bei Ihnen? Utah/USA? Salt Lake City? Das ist genau der Bundesstaat, in dem die meisten erzkonservativen Mormonen leben. Bei denen haben Adam und Eva keinen Bauchnabel, sie wurden doch von Gott erschaffen. Da ist die gesamte Erdgeschichte nur ca 60.000 Jahre alt und Naturwissenschaft eigentlich überflüssig.

Folgerichtig ist die dortige Brigham Young Uni der Ort bahnbrechender Erfindungen, aberwitziger Entdeckungen, beispielloser Enthüllungen und zahnloser Nobelpreiskandidaten. Aus 20 000 (!)Datensätzen quetschten der emsige Professor Busby und sein Team die wunschgemäßen Antworten aus 2035 Fragebögen aus, um einen "repräsentativen" Querschnit natürlich o h n e Homosexuelle zu bekommen, denn die gibt es im Mormonenstaat Utah bekanntlich nicht.

Das "Antworten bereits geschiedener und verheirateter Paare einem Vergleich von Äpfeln mit Birnen gleichkomme" zeigt den intellektuellen Tiefgang. Die Friedensbewegung kannte den Spruch: 'Fighting for freedom is like fucking for virginity'. Hierbei denke ich an Madonna: "Like a virgin, for the very next time". Fröhliche Neujahrsgrüße!
Ihr Thomas G. Schätzler zum Beitrag »

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