Ärzte Zeitung online, 03.01.2011

Nach Dioxinfunden in Eiern: Behörden erwarten Untersuchungsergebnisse

DÜSSELDORF/HANNOVER (dpa). Nach der Entdeckung von dioxinverseuchten Eiern rechnen die Behörden in dieser Woche mit weiteren Untersuchungsergebnissen. In Niedersachsen erwartet das Landesamt für Verbraucherschutz Ergebnisse aus einer größeren Zahl von Eierproben, sagte ein Sprecher des Agrarministeriums am Sonntag in Hannover.

In Nordrhein-Westfalen wird am Dienstag mit ersten Ergebnissen gerechnet, hieß es im Verbraucherschutzministerium in Düsseldorf.   

In der vergangenen Woche war in zwei nordrhein-westfälischen Betrieben Dioxin in Eiern und Hühnerfleisch gefunden worden. Einige Eierproben waren gemessen am EU-Grenzwert mehr als doppelt so stark mit Dioxin belastet wie erlaubt. Insgesamt 14 Betriebe in Nordrhein-Westfalen und 20 in Niedersachsen dürfen weder Eier noch Fleisch ausliefern, weil sie verseuchtes Futter verwendet haben sollen. Ursache für die überhöhten Werte ist verseuchtes Futterfett aus einem Betrieb in Schleswig-Holstein.

"Wir haben die Verunreinigung bei einer Routineuntersuchung selbst festgestellt und sofort den Behörden gemeldet", sagte Siegfried Sievert, Produktionsleiter der Firma Harles und Jentzsch aus Uetersen dem "Westfalen-Blatt" (Bielefeld). "Wir haben bislang noch keine Erklärung dafür." Man arbeite bei der Suche nach der Ursache der Verunreinigung mit den Behörden intensiv zusammen.

Nach Ansicht des nordrhein-westfälischen Verbraucherministers Johannes Remmel (Grüne) betrifft der Fall die ganze Bundesrepublik. "Wir müssen die Lieferströme klären. Man muss auch prüfen, inwiefern der Bund hier eine koordinierende Rolle übernehmen soll", sagte er der "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" in Essen (Montagsausgabe) kündigte die Überprüfung von bis zu 25 weiteren Ställen in NRW an.

"Es ist nicht auszuschließen, dass mit Dioxin belastete Eier in den Handel geraten sind", sagte er weiter. Die Dioxinbelastung sei nur durch kriminelle Machenschaften oder grobe Fahrlässigkeit zu erklären.

Den verseuchten Futterfetten sind auch die Behörden in Sachsen-Anhalt auf der Spur. Dorthin sollen 55 Tonnen geliefert worden sein, die mit 1000 Tonnen Futtermitteln für Schweine und Geflügel vermischt wurden. Geklärt werden soll etwa, wo die Futtermittel lagerten und ob sie bereits verfüttert wurden.

Von dem Produzenten der verseuchten Futterfette aus Schleswig-Holstein werden in Hannover außerdem Lieferlisten erwartet, die Aufschluss geben darüber, welche Futtermittelhersteller beliefert wurden. Die Firma hatte laut dem niedersächsischen Agrarministerium über Wochen hinweg Fette zur Herstellung von Tierfutter mit billigeren technischen Fetten vermischt. Noch ist unklar, ob dies aus Versehen oder vorsätzlich passierte - Industriefette sind billiger als Futtermittelfette.

   Schleswig-Holsteins Regierungssprecher Knut Peters hatte am Freitag bestätigt, dass die Firma aus Uetersen vor einigen Tagen von sich aus das Kieler Umweltministerium darüber informiert hatte, dass es zu der Vermengung von Fetten gekommen sei. "Wir haben aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Hinweise darauf, dass die Dioxin-Belastungen von Eiern in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem Uetersener Betrieb stehen", betonte Peters.

Das Landeslabor untersuche Proben aus der Firma. Unklar sei ebenfalls noch, über welchen Zeitraum es zu der Vermengung kam.

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