Ärzte Zeitung online, 07.01.2011

Dioxin-Skandal: Arzt zeigt Futterhersteller an

MÜNSTER (dpa). Im Dioxin-Skandal gibt es nun auch eine Strafanzeige eines Verbrauchers. Ein Arzt aus Havixbeck bei Münster habe die Firma Harles und Jentzsch aus dem schleswig-holsteinischen Uetersen angezeigt, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer. Der Arzt will damit ein "Signal für den Verbraucherschutz" setzen.

Dioxin-Skandal: Arzt zeigt Futterhersteller an

Dr. Sten Neumann in seiner Praxis: "Was können meine Kinder überhaupt noch essen?"

© dpa

Die Vorwürfe des Allgemeinmediziners: schwere Körperverletzung und versuchter Mord aus Habgier. Vermutlich werde das Verfahren an die Staatsanwälte in Itzehoe oder Oldenburg abgegeben, die bereits in dem Komplex ermitteln. Dort geht es um Verstöße gegen das Lebens- und Futtermittelrecht.

Harles und Jentzsch hat möglicherweise Dioxin-belastete technische Fette als Futterfette an Tierfutterhersteller verkauft.

Die Strafanzeige soll ein Signal für Verbraucherschutz setzen, sagte der Allgemeinarzt Dr. Sten Neumann aus dem münsterländischen Havixbeck am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

"Mir ist klar, dass das juristisch kurze Beine hat, solange kein Opfer namentlich benannt werden kann." Jedoch müssten die Lebensmittelbranche und die Politik mehr gegen die Gefahren durch Dioxin unternehmen.

"Die Verbraucher haben ein Recht, mehr zu erfahren. Der Staat hat die Aufgabe, gezielt mehr nach Dioxin zu suchen. Es ist völlig unklar, wie viele Opfer es gibt. Die Anzeige soll dazu beitragen, bei den Herstellern eine höhere Hemmschwelle gegen kriminelle Machenschaften zu erreichen", sagte Neumann.

"Dioxin ist 1000-mal tödlicher als Zyankali", sagte der 47-jährige Allgemeinarzt, der Vater von drei Kindern im Alter von 8 bis 14 Jahren ist. "Wenn ich den Kühlschrank aufmache und Eier und Fleisch sehe, frage ich mich: Was können meine Kinder überhaupt noch essen?"

Die verheerenden Spätfolgen von Dioxin seien bei vielen missgebildeten vietnamesischen Opfern des dioxinhaltigen Entlaubungsmittels Agent Orange zu sehen, das die US-Armee in den 70er Jahren im Dschungelkrieg in Südasien eingesetzt habe. "Ich habe auch noch die Bilder des Dioxin-Unglücks in Seveso 1976 vor Augen."

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