Ärzte Zeitung online, 22.01.2011

Lungenentzündungen suchen russische Armee heim

Die russische Armee hat mit einer Welle von Lungenentzündungen zu kämpfen. In einer Militärbasis nahe der Stadt Tscheljabinsk mussten mehr als 60 Soldaten in die Klinik eingeliefert werden. Schuld soll das kalte Wetter sein. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Führungsoffiziere.

Lungenentzündungen suchen russische Armee heim

Russische Soldaten im Schnee: Das Winterwetter hat zu einer Welle von Lungenentzündungen geführt.

© ITAR-TASS / imago

TSCHELJABINSK (eb). In der russischen Garnison Tschebarkul nahe der Stadt Tscheljabinsk am Ural ist es zu einem massenhaften Ausbruch von Lungenentzündungen gekommen.

In den vergangenen Wochen seien 63 Soldaten erkrankt, die klinisch behandelt würden, berichten russische Nachrichtenagenturen. Ein Soldat soll an den Folgen der Pneumonie gestorben sein.

Die Fälle haben nun auch die Staatsanwaltschaft alarmiert. Sie ermittelt gegen führende Offiziere. Sie sollen ihre Aufsichtspflicht verletzt und zu spät nach den ersten Erkrankungen reagiert haben.

Untersucht werden die Vorfälle von der zuständigen Militär-Staatsanwaltschaft. "Erste Ermittlungen deuten darauf hin, dass einige Offiziere ihre Pflicht versäumt haben, das Leben und die Gesundheit ihrer Soldaten zu schützen", zitiert die russische Nachrichtenagentur Interfax einen Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Medienberichten zufolge sollen die zuständigen Offiziere auf erste Erkrankungen gar nicht reagiert haben. So sollen sie es etwa versäumt haben, erkrankte Soldaten frühzeitig zu isolieren.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen außerdem vor, sich nicht um medizinische Hilfe gekümmert zu haben. Auch hätten sie präventive Maßnahmen versäumt. Zu ersten Krankheitsfällen kam es bereits Ende Dezember.

Zu einer weiteren Welle von Lungenentzündungen kam es in einer Militärbasis in Tschernjachowsk in der russische Exklave Kaliningrad. Dort wurden nach Angaben von Militärstaatsanwalt Andrej Marchuk 26 Soldaten mit entsprechenden Symptomen in Kliniken eingeliefert.

Auslöser der Pneumonie-Welle sollen das kalte Wetter und starke Schneefälle sein. Soldaten würden teils stundenlang zur Schneeräumung eingesetzt und seien so den niedrigen Temperaturen ausgesetzt.

Unterdessen reagierte das Verteidigungsministerium in Moskau auf die Fälle. Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow kündigte am Samstag Maßnahmen an, die Erkrankungswelle zu stoppen.

So sollen Wachleute im Freien bereits nach einer Stunde statt nach zweien abgelöst werden. Zudem soll der Dienstsport bis auf Weiteres nur noch in Sporthallen und nicht mehr im freien Gelände stattfinden.

"Das Verteidigungsministerium beobachtet die Situation sehr genau", sagte Serdjukow. "Ich glaube, wir werden damit fertig."

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

In Deutschland gibt es"weder Hölle noch Paradies"

Die Lebensumstände in Deutschland sind weitgehend gleichwertig - gemessen an 53 Indikatoren, die etwa Gesundheit, Arbeit und Freizeit berücksichtigen, so der "Deutschland-Report". mehr »

Wenn Welten aufeinandertreffen

Die urologische Versorgung in Ghana findet nur sehr eingeschränkt statt. Der Verein "Die Ärzte für Afrika" unterstützt sechs Kliniken vor Ort – eine Herzensangelegenheit. mehr »

Schlaganfall im Schlaf – Wann ist Thrombolyse möglich?

Liegt der Symptombeginn bei Schlagfall einige Stunden zurück, kommt eine Thrombolyse eigentlich nicht infrage. Forschern ist es nun gelungen, Patienten für die Therapie auszuwählen, auch ohne den Zeitpunkt des Insults zu kennen. mehr »