Ärzte Zeitung, 03.02.2011

Genom-Analyse für jedermann ist in Reichweite

BERLIN (ars). Schon in ein bis zwei Jahren wird es möglich sein, das Genom eines Menschen zum Preis von 1000 US-Dollar komplett zu entschlüsseln.

Genom-Analyse für jedermann ist eine Vision in Reichweite

Gene entziffern: Was hier in einer Gendatenbank geschieht, könnte bald schon für jeden Menschen möglich sein.

© dpa

Über diese Prognose berichtete Professor André Reis beim 35. Interdisziplinären Forum der Bundesärztekammer in Berlin. Allerdings sei das eine Leistung von fragwürdigem Nutzen.

Zwar komme dabei eine Unmenge von genetischen Varianten ans Licht, in denen sich ein Mensch von anderen unterscheidet. Doch längst noch nicht sei die Forschung imstande anzugeben, welche Bedeutung die Variabilität hat, sagte der Humangenetiker aus Erlangen.

Denn die meisten Störungen werden nicht durch eine einzelne Mutation, also monogenetisch, ausgelöst, sondern durch ein komplexes Netzwerk vieler Erbanlagen.

Das gilt besonders für Volkskrankheiten: Für Typ-2-Diabetes etwa wurden 39 assoziierte Gene entdeckt, die nicht einmal im offensichtlichen Zusammenhang zum Glukosestoffwechsel stehen.

"Die Abfolge der Basenpaare im Erbgut zu bestimmen ist das Eine, sie zu interpretieren das Andere", sagte Reis. Das "schnelle billige Genom", wie das Schlagwort lautet, sei wohl für 1000 Dollar zu haben, die Analyse aber erst für 100.000 Dollar.

Dennoch führt an der routinemäßigen Sequenzierung der drei Milliarden Bausteine in menschlichen Genomen kein Weg vorbei: Sie ist die Grundlage jeder individualisierten Medizin und sichert die Diagnose von tausenden Krankheiten.

Schon heute sind Tests für 900 monogenetische Störungen verfügbar. Tests für weitere rund 3000 werden erwartet.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Appell zur rationalen Antibiotika-Gabe

Anlässlich des 11. Europäischen Antibiotika-Tages rufen KBV und vdek zum rationalen Einsatz von Antibiotika bei Erkältungen und Grippe auf. mehr »