Ärzte Zeitung online, 06.02.2011

Mubarak in die Uniklinik Heidelberg?

Die Proteste in Ägypten gehen weiter: Auch am Sonntag protestierten Tausende auf dem Tahrir-Platz in Kairo, sie verlangen die Ablösung von Präsident Mubarak. Nun kam Deutschland als mögliche Lösung ins Gespräch: Mubarak könnte zu einer langen medizinischen Visite in die Bundesrepublik kommen - und so den Weg für einen Übergang freimachen.

Mubarak an die Uniklinik Heidelberg?

Husni Mubarak Ende Januar: Kommt er nach Deutschland, um den Weg für einen politischen Neuanfang in Ägypten freizumachen?

© dpa

HEIDELBERG (eb). Auch am Sonntag, dem dreizehnten Tag in Folge, protestierten tausende Menschen auf dem Tahrir-Platz in Kairo.

Ihre Forderung: der sofortige Rücktritt von Staatspräsident Husni Mubarak. Doch der will bis zu den Neuwahlen im Amt bleiben, und die wird es wohl erst im Herbst geben.

Nun wurde am Wochenende über andere Möglichkeiten spekuliert, wie Mubarak auch ohne Rücktritt den Weg zu einer Übergangsregierung freimachen könnte. Eine Option: Er reist zu einer längeren medizinischen Untersuchung ins Ausland.

Genauer gesagt: nach Deutschland. In dieser Zeit könnte eine neue Regierung, ernannt durch den neuen Vizepräsidenten Omar Suleiman, die Amtsgeschäfte übernehmen.

Ins Rollen gebracht hat die Spekulationen die "New York Times" am Samstag. Unter Berufung auf US-Regierungskreise heißt es dort, Mubarak könnte im Rahmen seiner jährlichen Gesundheitsuntersuchungen einen "erweiterten Check-Up" in Deutschland antreten.

Abwegig ist die Idee nicht. Erst vor gut einem Jahr, im März 2010, war der damals 81-Jährige für drei Wochen Patient in der Chirurgischen Uniklinik Heidelberg. Ihm wurden damals die Gallenblase und ein Dünndarmpolyp entfernt.

Auch München hat der ägyptische Staatspräsident bereits kennengelernt. Im Sommer 2004 hat er sich dort im "Orthozentrum München" wegen eines Discusprolaps endoskopisch an der Bandscheibe operieren lassen.

Wohin eine mögliche Reise Mubarak letztlich führt, ist bislang alles andere klar. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) gab am Samstag knapp zu Protokoll, er beteilige sich nicht an derartigen Spekulationen.

Anders äußerte sich seine Parteikollegin Elke Hoff. Der "Bild am Sonntag" sagte sie: "Ich würde eine baldige Ausreise Mubaraks nach Deutschland begrüßen, wenn dies dazu beitragen kann, die Verhältnisse in Ägypten zu stabilisieren."

Dem Heidelberger Uniklinikum liegt bislang allerdings keine Anfrage für einen möglichen Aufenthalt von Husni Mubarak vor, erfuhr die "Ärzte Zeitung" am Sonntag.

Einem Aufenthalt des Staatsmannes, der im Mai 83 Jahre alt wird, steht man dort allerdings offen gegenüber: Wenn er als Patient kommen möchte, dann sei er herzlich eingeladen, hieß es. "Für uns ist der ägyptische Staatspräsident ein Patient und nicht ein Politiker."

Möglicherweise dürfte es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis Mubarak sich in professionelle medizinische Behandlung begibt. Denn seit gut einem Jahr wird spekuliert, dass er an einer Krebserkrankung leidet.

Just im März 2010, als Mubarak zu seiner Op in Heidelberg weilte, berichteten Analysten des israelischen Online-Dienstes DEBKAfile darüber, dass eine "deutsche Klinik" Speiseröhrenkrebs bei ihm festgestellt habe.

In den Monaten nach seinem Aufenthalt am Neckar hatte sich der ägyptische Staatspräsident mehr und mehr zurückgezogen.

Regionale Medien berichteten damals, er habe seine Amtsgeschäfte auf zwei Tage in der Woche reduziert und verbringe viel Zeit in seiner Residenz auf dem Sinai.

Lesen Sie dazu auch die neueste Entwicklung:
Neue Spekulationen um deutsches Klinik-Exil für Mubarak

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Ärzte im Schichtdienst auf dem Tahrir-Platz in Kairo

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