Ärzte Zeitung online, 16.02.2011
 

Chemieunfall in Hessen: mehrere Verletzte

In Hessen sind bei einem Chemieunfall mehrere Menschen verletzt worden. Nach Polizeiangaben hatte offenbar ein Gabelstaplerfahrer nicht aufgepasst. Die Feuerwehr löste einen Großalarm aus.

Chemieunfall in Hessen: mehrere Verletzte

Ein Gefahrguttrupp der Feuerwehr bereitet sich auf den Einsatz vor: In Homberg/Efze musste sie die Ausbreitung von Thiophenol verhindern.

© dpa

HOMBERG/EFZE (dpa). Giftalarm in Hessen: Bei einem Chemie-Unfall in Homberg/Efze sind am Mittwoch 16 Menschen durch austretende giftige Dämpfe verletzt worden. Sie klagten nach Polizeiangaben über Atemwegsreizungen und wurden in Krankenhäuser gebracht. Die Bürger der Kleinstadt seien aber nicht gefährdet, teilte die Polizei mit.

Die Feuerwehr löste einen Großalarm aus. Um das Industriegebiet der Kleinstadt herum wurden mehrere Dekontaminationsstellen eingerichtet.

Zehn Notärzte und eine Hundertschaft vom Rettungsdienst kümmerten sich um etwa 150 Menschen, die das Gas eingeatmet hatten. Darunter waren auch 100 Mitarbeiter einer Logistikfirma, auf deren Areal die hochgiftige farblose Flüssigkeit gegen halb eins in der Nacht zum Mittwoch ausgelaufen war.

Wohl aus Unachtsamkeit hatte ein Gabelstaplerfahrer ein 200-Liter-Fass mit der giftigen Flüssigkeit in der Nacht beschädigt, dabei wurden etwa 30 Liter der Chemikalie freigesetzt.

"Bei dem Stoff handelt es sich um Phenylmercaptan eines, soweit derzeit bekannt, holländischen Herstellers", sagte ein Polizeisprecher. Der leicht nach Knoblauch riechend Stoff geht in den gasförmigen Zustand über und verbreitet sich durch die Luft.

"Er ist stark riechend, ätzend und greift bei entsprechender Konzentration die Atemwege und Schleimhäute an", warnten die Experten vor Ort weiter. Phenylmercaptan wird auch als Thiophenol bezeichnet.

Die mit schwerem Gerät und Atemschutzmasken angerückten Feuerwehrleute dichteten das beschädigte Fass am Morgen ab und versuchten gleichzeitig, das Ausbreiten des Gases möglichst rasch einzudämmen.

Nach Angaben des Homberger Bürgermeisters Martin Wagner soll ein Experte eines Chemie-Unternehmens die Helfer unterstützen und beraten. "Ich gehe davon aus, dass das Gelände im Laufe des Tages wieder freigegeben wird", sagte Wagner.

Zur Dekontamination mussten die 150 betroffenen Menschen ihre Kleidung abgeben, sie bekamen nach einer Dusche neue Trainingsanzüge. Zwischenzeitlich durfte niemand das Industriegebiet verlassen.

Mitten in der Nacht waren nach dem Alarm Feuerwehren des Landkreises und die Einheiten umliegender Regionen herangerufen worden. Lautsprecherdurchsagen warnten die Homberger Bürger.

Nach ersten Messungen bestand für die Stadt und ihre gut 14.000 Einwohner keine Gefahr, hieß es. "Eine Gefährdung ist derzeit nicht mehr gegeben", sagte Reinhard Giesa, Sprecher der Polizei in Homberg. Die Gaswolke verflüchtigte sich laut Polizei in der Nacht weiter.

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