Ärzte Zeitung online, 21.02.2011

Atomdetektive besorgt über Zunahme kontaminierter Funde

WASHINGTON (dpa). Radioaktiv verseuchtes Altmetall aus aller Herren Länder macht den Atomdetektiven am Forschungsinstitut für Transurane (ITU) in Karlsruhe Sorgen. Das Institut der Europäischen Kommission hat eine Schlüsselstellung im internationalen Kampf gegen nuklearen Terrorismus.

"Wir entdecken in letzter Zeit häufiger kontaminierten Schrott in europäischen Häfen", sagte Klaus Mayer der dpa am Samstag in Washington.   Dort sprach der Leiter für forensische Nuklearanalysen am ITU auf dem Kongress des US-amerikanischen Wissenschaftsverbandes AAAS über seine Arbeit. Sie soll primär verhindern, dass waffentaugliches Kernmaterial geschmuggelt wird und in falsche Hände gerät.

Das Institut für Transurane ist nach Worten von Mayer "das einzige zivile Labor der Welt, das diese Untersuchungen in dem Umfang wie wir macht." Die Labors der USA, Frankreichs und Großbritanniens dienten auch der Landesverteidigung.

Ihre ersten Untersuchungen stellten die Karlsruher Atomdetektive Anfang der neunziger Jahre an. Damals hatten sie mit 19 Fällen alle Hände voll zu tun.

Nach dem Plutoniumskandal 1994 trat zunächst einmal Ruhe ein, sagt Mayer. Später stellte sich heraus, dass nicht Terroristen, sondern der Bundesnachrichtendienst hinter einem Koffer mit gut 300 Gramm Plutonium steckte, der nach dem Flug von Moskau nach München beschlagnahmt wurde.

Jahre vergingen, in denen die Grenzkontrollen der EU-Länder nur vereinzelt auf radioaktive Spuren stießen und Nachforschungen beim ITU anforderten. Seit zweieinhalb Jahren aber schrillt der Alarm wieder häufiger.

"Wir haben jetzt ein knappes Dutzend neuer Fälle", sagt Mayer. Bei den meisten handelt es sich um Altmetall, Stücke von Rohrleitungen, Stahltrichtern und -platten, an denen spaltbares Material entdeckt wurde. Der verseuchte Schrott wurde aus Russland, Kasachstan, dem Iran und Pakistan in Europa abgeladen, sagt Mayer.

Die Herkunftsländer ermitteln die Karlsruher Atomdetektive anhand von Merkmalen des Urans und des Stahls. "Wir betreiben also nicht nur nukleare Forensik, sondern auch nicht-nukleare Forensik", betont Mayer.

Das Ergebnis geht an die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien. Sie kontaktieren das jeweilige Land und verhandeln mit ihm über Konsequenzen.

Auf politisch brisante Fälle, die noch nicht abgeschlossen hat, geht Mayer nicht ein. Über den "Brandenburg-Fall" kann er reden. Der Schrott löste in dem Recyclinghof von Henningsdorf (Brandenburg) Alarm aus.

Den Karlsruhern gelang es, das hochangereicherte Uran nach Russland zurückzuverfolgen. Dort waren kontaminierte Teile einer Anlage zur Kernbrennstoffproduktion bei der Demontage offensichtlich durch Unachtsamkeit unter wiederverwendbares Metall geraten, sagt Mayer.

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