Ärzte Zeitung online, 03.03.2011

Weilheim: Ärztin von Patient erstochen

Bluttat in einer oberbayerischen Klinik: Ein früherer Patient stürmt am Morgen in die Notaufnahme und sticht eine Ärztin nieder. Die 47-Jährige stirbt kurz darauf, der 65 Jahre alte Mann wird festgenommen. Kein Mensch weiß zur Stunde, warum der Ex-Patient die Frau umbrachte.

Von Paul Winterer

Weilheim: Ärztin von Patient erstochen

Polizisten vor dem Krankenhaus in Weilheim: Ein ehemaliger Patient hat dort eine Ärztin erstochen.

© dpa

WEILHEIM/ROSENHEIM (dpa). Eine mörderische Tat erschüttert das Klinikum im oberbayerischen Weilheim. Ein Ex-Patient erstach am Donnerstagmorgen eine Ärztin des Hauses.

Der mutmaßliche Täter war am Morgen in die Notfallaufnahme gekommen und hatte gezielt auf sein Opfer eingestochen. Die 47-Jährige starb wenig später. Das Motiv des 65-Jährigen, der früher von der Ärztin untersucht worden war, blieb zunächst im Dunkeln. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes.

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei spielte sich die Tat folgendermaßen ab: Gegen 8.45 Uhr kommt der Mann in die Notfallaufnahme des im Stadtzentrum gelegenen Klinikums.

Er geht gezielt auf die Medizinerin zu, die dort Dienst hat. Sofort zieht er ein mitgebrachtes Messer mit 15 Zentimeter langer Klinge und sticht auf sein Opfer ein.

Die 47-Jährige erleidet schwerste Stichverletzungen im Bauch und bricht blutüberströmt zusammen. Ein Krankenhausmitarbeiter geht dazwischen. Der 65-Jährige lässt sich bis zum Eintreffen der Polizei widerstandslos festhalten.

Sofort wird die Ärztin in der Klinik operiert. Die Kollegen können ihr aber nicht mehr helfen, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim mitteilte. Noch im OP erliegt die Mutter mehrerer Kinder ihren schweren Verletzungen.

Das Motiv für den Mord erscheint den ganzen Tag über rätselhaft. Allerdings steht fest, dass sich Opfer und Täter kannten. "Der Mann wurde früher von der Ärztin behandelt", sagte die Münchner Oberstaatsanwältin Andrea Titz der Nachrichtenagentur dpa.

Er war nach Polizeiangaben erst vor wenigen Tagen unter Beteiligung der Ärztin untersucht worden. Titz ließ offen, ob es Streit über den Behandlungsverlauf gab. Am Tag des Verbrechens war der 65-Jährige jedenfalls nicht Patient im Klinikum, sondern kam von außerhalb.

Der mutmaßliche Täter wurde noch am Donnerstag mehrere Stunden lang vernommen. Von seinen Angaben erhofften sich die Ermittler Hinweise auf das Motiv. Zu den näheren Personalien von Opfer und mutmaßlichem Täter äußerte sich die Ermittlungsbehörde nicht. (dpa)

[04.03.2011, 11:10:17]
Dipl.-Psych. Christine Trübner 
Mord im Krankenhaus - sind wir noch sicher am Arbeitsplatz?
Traurig dass sowas geschieht. Wussten Sie, dass vor allem Sozialarbeiter, auch wie Sie als Ärzte dicht am Menschen arbeitende, Arbeitende im Helfenden System wie medizinisches Personal vor allem Opfer von Willkür ihrer Klienten sind? Das gab es in der Vergangenheit von Einsperren, Erpressen, Bedrohen, körperliche Gewalt bis hin zum Totschlag. Da erhebt niemand die Stimme und ruft nach Höchststrafen - als ob Ihr Leben eine besseres sei. Traumatisiert überleben ist für jeden der schrecklichste Zustand der geht. Mit der Frage nach dem Bestrafen muß gefragt werden, was ist falsch hier, dass Menschen sich zu solch fatalistischen Folgen ihres Handelns hinreissen lassen? Eine Weile kann man das noch als Einzeltäter versuchen abzutun, aber immer mehr Menschen greifen zu solch gravierenden Abhilfen eigener Problematiken. Leider.  zum Beitrag »
[04.03.2011, 09:09:18]
Dr. Joachim Malinowski 
Mord im Krankenhaus an einer Helferperson - sind wir noch sicher am Arbeitsplatz?
Es erschüttert mich zutiefst, so etwas lesen zu müssen.
Mord an einer Medizinerin, deren berufliche Aufgabe dem Helfen von Menschen gewidmet ist!

Dieses ist leider nicht der erste Fall in Deutschland, indem Personen des Helfersystems umgebracht oder schwer verletzt werden. Es bleibt grundsätzlich unverständlich, was das für Menschen (als Patienten) sind, die auf der einen Seite unsere Hilfe einfordern und dann auf der anderen Seite uns verletzen, sogar umbringen, wenn ihnen z.B. irgend etwas nicht passt.

Niemand als Mitglied des Helfersystems rechnet primär mit so einem Ausmaß von Aggressionen durch Patienten. Im Gegenteil sind wir vom Helfersystem besonders wehrlos solchen Situationen ausgesetzt, da es unsere Aufgabe erfordert, mit Empathie und insbesondere körperlicher Nähe auf den vermeintlich Hilfesuchenden zuzugehen mit der Gefahr dann hinterrücks ermordet zu werden.

Was sind das für unmenschliche Exemplare unserer Gattung, die vorsätzlich solche Taten planen und durchführen?!

Ich kann nur hoffen, dass die Staatsanwaltschaft die Höchststrafe für diese Tat fordert und damit eine abschreckende Wirkung erzeugt.

Mein tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen der Kollegin.
Dr. J. Malinowski
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