Ärzte Zeitung online, 12.03.2011

Japan: Noch ist unklar, ob es zur Kernschmelze gekommen ist

FRANKFURT / MAIN (eb/dpa). Noch ist unklar, ob es im beschädigten japanischen Kernkraftwerk zur Kernschmelze gekommen ist. Inzwischen haben japanische Behörden gemeldet, dass die Strahlung am AKW den zulässigen Grenzwert überschritten hat.

Die Strahlendosis am Atomkraftwerk Fukushima Daiichi hat den zulässigen Grenzwert überschritten. Das teilten die japanischen Behörden der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) am Samstag mit. Mehr Details dazu nannten sie nicht.

Die Behörden stuften die Folgen des Erdbebens im ersten Reaktorgebäude des Kernkraftwerks auf Stufe 4 der siebenstufigen INES-Skala für die Beschreibung der Tragweite von Atomzwischenfällen ein.

Nach der Definition ist INES-4 ein "Atomunfall mit lokalen Konsequenzen". Das heißt nach der IAEA-Beschreibung beispielsweise, dass geringfügig Radioaktivität an die Umwelt abgegeben wurde, was zur lokalen Kontrolle von Lebensmitteln führen könnte.

Auch eine Kernschmelze oder mindestens ein Strahlentoter könnten zu der Einstufung eines Unfalls in INES-4 führen.

Ebenfalls möglich ist die Freisetzung von beträchtlichen Mengen radioaktiven Materials innerhalb einer Anlage, was mit großer Wahrscheinlichkeit weiter in die Umwelt dringen könnte. Der Atomunfall von Tschernobyl 1986 rangiert bisher als größte Nuklearkatastrophe auf der INES-Stufe 7.

So wurde die IAEA informiert:

Am 12. März um 13.40 Uhr MEZ informierte die japanische Behörde NISA, die für Sicherheitsfragen der Nuklearindusrie zuständig ist, die IAEA über die Explosion im Block 1 des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi. Die NISA ihrerseits erhielt diese Information um 7.30 Uhr MEZ vom Betreiber des Kernkraftwerks, der TEPCO.

Die japanischen Behörden informierten die IAEA auch darüber, dass die Evakuierungszone rund um Fukushima Daiichi von 10 auf 20 Kilometer vergrößert wurde. Außerdem wurde die Evakuierungszone um das Kernkraftwerk Fukushima Daini von 3 auf 10 Kilometer vergrößert. Auch in diesem Atomkraftwerk ist es nach dem Erdbeben zu Problemen gekommen.

Die japanischen Behörden bereiten auch eine Verteilung von Jodtabletten an die Bevölkerung rund um beide Kraftwerke vor. Die Einnahme von Jod verhindert, dass die Schilddrüse radioaktive Teilchen aufnimmt.

Nach dem Erdbeben in Japan am 11. März war das bei Tokio gelegene Kernkraftwerk Fukushima Daiichi ebenso automatisch abgeschaltet worden wie die AKW Fukushima Daini, Tokai und Onagawa. In letzterem war ein Brand ausgebrochen, der aber rasch gelöscht werden konnte.

Später wurde die IAEA informiert, dass in Fukushima Daiichi kontrolliert Wasserdampf abgelassen wurde, um den Druck im beschädigten Reaktorblock zu reduzieren. Inzwischen wurde bekannt, dass in und um das beschädigte Kernkraftwerk bereits vor der Explosion erhöhte Cäsium-Werte gemessen wurden - nach unbestätigten Berichten waren die Werte bis zu 10.000-fach erhöht. Vermutet wurde ein Zusammenhang mit dem Ablassen von Wasserdampf zur Druckentlastung.

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