Ärzte Zeitung online, 14.03.2011

Greenpeace-Experte: Plutonium-Gehalt in Fukushima erhöht Atomgefahr

BERLIN (dpa). Dass der explodierte Reaktor 3 im Kernkraftwerk Fukushima 1 (Daiichi) hochgiftiges Plutonium enthält, erhöht die Gefahr nach Experten-Einschätzung enorm.

Noch sei die "gigantische Radioaktivität" im unbeschädigten Kessel, sagte Greenpeace-Reaktorexperte Heinz Smital. Diese habe aber "natürlich das Potenzial, auch über Hunderte Kilometer noch extreme Dosen, die gesundheitsgefährdend sind, zu verfrachten". Jetzt komme es darauf an, dass die extreme Radioaktivität im Kessel bleibe.

Zur von den Brennelementen ausgehenden Gefahr erklärte Smital im Gespräch mit dpa: "Die werden nach dem Abschalten noch heißer." Entscheidend sei nun eine stabile Kühlung. Das müsse aktiv etwa mit Hilfe von Meerwasser gemacht werden. "Wenn man die Sache nur sich selbst überlässt, würde alles Wasser verdampfen und der Kessel durchgeschmolzen werden."

Die Plutonium-Brennstoffe seien eine Besonderheit, sagte Smital. Er vertraue den aktuellen Angaben der japanischen Regierung, dass zurzeit die "ganz große Freisetzung" verhindert werde.

Unfälle in weiteren Atomkraftwerken, die nach den Beben und dem Tsunami vom Freitag beschädigt sind, schloss Smital nicht aus. "Es sind im Prinzip in der Region 14 Kraftwerksblöcke, die betroffen sind." Drei davon seien bereits abgeschaltet gewesen, die übrigen elf seien schnell abgeschaltet worden.

Allerdings warnt der Experte: "Eine Schnellabschaltung ist ja keineswegs eine Entwarnung, weil die extreme Hitze, die der Reaktor weiter produziert, nicht irgendwie abschaltbar ist." Diese könne zu einer großen Kernschmelze und einer "gigantischen Freisetzung" führen. Man kämpfe also de facto um eine Vielzahl von Reaktorblöcken.

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