Ärzte Zeitung, 02.04.2011
 

Verteuert E10 die Lebensmittel?

BERLIN (dpa). Lebensmittel werden deutlich teurer - auch als Folge von Biosprit wie E10. Die Lebensmittelpreise könnten 2011 um bis zu drei Prozent steigen, bei einigen Waren auch noch stärker, sagte eine Sprecherin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) in Berlin.

Wegen politischer Vorgaben werde verstärkt Getreide für Biokraftstoffe eingesetzt und Biodiesel aus Raps erzeugt. "Die zusätzliche Nachfrage nach Getreide und Raps führt so zu Preissteigerungen, die die Kosten für die Lebensmittelherstellung erhöhen."

Mit jeder 50-Liter-Tankfüllung des Bio-Benzins E10 laufen nach Informationen der "Bild"-Zeitung 15 Kilogramm Getreide in den Tank. Allerdings führt nicht nur das umstrittene E10 zu höheren Preisen.

Die Getreidepreise sind seit einiger Zeit auf Höhenflug. Dies liegt unter anderem auch an einer weltweit steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln. Der Deutsche Bauernverband sieht keine deutliche Verteuerung von Lebensmitteln durch Biosprit.

Die Rohstoffpreise könnten nach Ansicht der Wirtschaft noch stärker als die Verbraucherpreise steigen. "Bei Produkten aus Schweine und Rindfleisch rechnen wir mit Preiserhöhungen zwischen 15 und 20 Prozent", sagte BVE-Chef Jürgen Abraham der "Bild". Käse und Joghurt könnten 10 bis 15 Prozent teurer werden. Beim Mästen der Tiere werden laut Zeitung drei Kilogramm Getreide für ein Kilo Fleisch benötigt.

Die Bäcker warnen vor höheren Preisen für Backwaren von drei bis fünf Prozent. "Es ist absurd, Getreide zu verbrennen, während manche Menschen auf der Welt nicht genug zu essen haben", sagte Verbandspräsident Peter Becker der "Bild".

Geflügelfleisch und Hühnereier werden nach Ansicht der PHW-Gruppe, der die Marke Wiesenhof vertreibt, 10 bis 15 Prozent teurer. Die deutschen Bierbrauer rechnen mit rund 25 Cent mehr pro Kiste Bier.

Der Geschäftsführer des größten deutschen Fleischwarenherstellers Tönnies Fleischwerk, Clemens Tönnies, sagte der Zeitung: "E10 verschärft den Preisdruck dramatisch, weil viel Futtermittel in die Biogas- und Bioethanolgewinnung verschwindet." Nach Angaben von Greenpeace wurden 142 Millionen Tonnen Getreide im vergangenen Jahr für Biosprit verbraucht.

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