Ärzte Zeitung online, 02.04.2011

Kalinka-Prozess: Arzt gab Stieftochter eine Spritze

PARIS (dpa). Der wegen der Tötung seiner Stieftochter angeklagte deutsche Arzt Dieter K. hat vor Gericht eingeräumt, dem Mädchen eine Spritze gesetzt zu haben.

Das eisenhaltige Mittel sollte ihr beim Bräunen helfen, sagte er am Freitag in Paris aus. Er habe ihr keine Tablette geben wollen, weil sie Magenschmerzen hatte. Nach Ansicht eines Experten war die Spritze nicht nur unnötig, sondern auch riskant.

Bei der Anhörung stellte sich zudem heraus, dass ein anderer Arzt, der damals den Tod 14-Jährigen festgestellt hatte, nicht wie vorgeschrieben die Polizei benachrichtigt hatte.

Dieter K. sei selbst ein allseits respektierter Arzt gewesen, deswegen habe er ihm das überlassen, sagte der Kollege im Zeugenstand. Dies sei dann allerdings nicht geschehen.

Der leibliche Vater des Mädchens hatte Dieter K. vor zwei Jahren gewaltsam nach Frankreich verschleppen lassen, damit er dort erneut vor Gericht gestellt werde. Er ist überzeugt, dass der deutsche Arzt seine Tochter vergewaltigt und mit einer Spritze getötet hat.

Ein französisches Gericht hatte Dieter K. bereits 1995 wegen der Tötung seiner Stieftochter in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Ein Berufungsgericht hob das Urteil wegen Verfahrensfehlern später aber wieder auf.

Die deutsche Justiz hatte ein Verfahren im Fall Kalinka eingestellt, bevor es auch nur zur Anklage kam. Der Prozess soll nach vorläufiger Planung bis 8. April dauern.

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