Ärzte Zeitung online, 15.04.2011

Cäsium im Atomlager Asse erhöht Druck zum Handeln

Die hohen Werte von Cäsium im desolaten Atommülllager Asse bereiten Sorge. Jetzt soll untersucht werden, woher sie kommen.

HANNOVER/REMLINGEN (dpa). Die neuen Nachrichten aus 750 Metern Tiefe lassen keinen Zweifel aufkommen: Das Salzbergwerk Asse - vor Jahrzehnten als wilde Atommüll-Kippe genutzt - wird immer mehr zum Risiko.

Die in einem alten Bohrloch gemessenen, erhöhten Cäsium-Werte sind für Atomkritiker und Anwohner ein Beweis, dass die Sanierung des Atommülllagers bei Wolfenbüttel jetzt umso zügiger angegangen werden muss.

Genehmigung erfolgt in den kommenden Wochen

Das Umweltministerium in Hannover kündigte am Freitag (15. April) an, dass nach langen Prüfungen die Genehmigung für Probebohrungen an zwei Atommüll-Kammern in der kommenden Woche bevorsteht.

Der Zeitdruck ist groß, weil die Schachtanlage mit rund 126 000 teils wild entsorgten Atommüll-Fässern durch Wassereinbrüche abzusaufen droht.

Die Erlaubnis für Probebohrungen ist eine wichtige Etappe auf dem schwierigen Weg, die Behälter herauszuholen. Dieses Vorhaben gilt als weltweit einmalig.

Hohe Auflagen des Landesumweltministeriums

Von den Bohrungen an den mit Atommüll gefüllten Kammern erhoffen sich die Experten wichtige Informationen über den Zustand der Fässer.

Doch es bleibt unklar, wann die Arbeiten mit den Spezialgeräten wirklich losgehen können. Das verantwortliche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter hatte sich schon früher grünes Licht erhofft. Jetzt hängt alles von den Auflagen des Landesumweltministeriums ab. Die sollen hoch sein.

"Die Genehmigung für die Probebohrungen werden wir streng auslegen, auch wenn das BfS meint, es könnte unkomplizierter sein", sagte Ministeriumssprecherin Jutta Kremer-Heye. Das BfS sprach von einer "Geduldsprobe".

Kammer 12 im Fokus

Jetzt untersuchen Experten zunächst genauer, woher die erhöhte Cäsium-Kontamination in 750 Metern Tiefe kommt. Das BfS vermutet, dass die Belastung aus der Kammer 12 stammt. Sie dürfte ein Hinweis darauf sein, dass sich Abfallbehälter langsam auflösen.

Aus der Kammer 12 tritt seit Jahren Flüssigkeit aus, die sich in einem Laugensumpf sammelt. In dem Bohrloch war eine hohe Konzentration des radioaktiven Stoffes Cäsium - von 240 000 Becquerel pro Liter - aufgetreten.

BfS: Keine zusätzlichen Risiken für Umwelt

Für die Beschäftigten und die Umwelt sieht die Strahlenschutz-Behörde keine zusätzlichen Risiken. Auch der Greenpeace-Atomexperte Christoph von Lieven sagt: "Wenn man nicht damit in Berührung kommt und sich entfernt hält, dann kann man damit umgehen. Wenn man da allerdings reintritt, dann wäre das sehr, sehr schlimm."

Bürger, Politiker und Umweltschutzverbände fordern, dass es nun endlich vorangeht mit der geplanten Rückholung des Mülls aus der Asse.

Ingenieur Udo Dettmann, der fünf Kilometer entfernt wohnt, sagte angesichts des Cäsiums: "Das zeigt einmal mehr, wie löchrig und instabil die Asse ist. Jeder Tag, den wir weiter warten, ist ein verschenkter Tag."

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