Ärzte Zeitung online, 05.05.2011

Erneut Freisprüche nach Todesfällen durch Creutzfeldt-Jakob

PARIS (dpa). Bittere Enttäuschung bei den Angehörigen: Auch im Berufungsprozess um den Tod von mehr als 100 jungen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankten hat ein Pariser Gericht am Donnerstag die zwei Angeklagten freigesprochen.

Der heute 88 Jahre alte Biochemiker und die Kinderärztin (62) hätten keinen Fehler begangen, befand das Gericht. Die Staatsanwaltschaft hatte ihnen vorgeworfen, in den 80er Jahren durch Nachlässigkeit den Tod von 120 Jugendlichen verursacht zu haben, die mit verseuchten Wachstumshormonen behandelt worden waren.

Den Angeklagten drohten Bewährungsstrafen. Zahlreiche Angehörige der Opfer brachen nach der Urteilsverkündung vor dem Gerichtssaal in Tränen aus.

Der Berufungsprozess richtete sich gegen zwei der sechs Ärzte und Verantwortlichen von Gesundheitsdiensten, die im ersten Verfahren 2009 wegen fahrlässiger Tötung und schwerer Nachlässigkeit angeklagt und freigesprochen worden waren.

Sie hatten mehr als 1500 kleinwüchsige Kinder mit Wachstumshormonen behandelt, die aus den Hirnanhangsdrüsen von Leichen stammten.

Einige waren mit Prionen verseucht, die die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auslösen. Die Anwälte der Angeklagten betonten vor Gericht, dass die Gefahren damals noch nicht bekannt waren.

Nach einem Todesfall in den USA hatten mehrere Länder 1985 die menschlichen Hormone durch synthetische Produkte ersetzt. Frankreich zog erst Jahre später nach und versäumte es, die Eltern der betroffenen Kinder zu benachrichtigen.

Der französische Staat zahlte für jeden Todesfall ein Schmerzensgeld von jeweils 225.000 Euro.

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