Ärzte Zeitung online, 09.05.2011

Baby die Kehle durchgeschnitten: Mutter stellt sich

Eine 35-jährige Frau hat gestanden, ihrem Neugeborenen vor fast sechs Jahren die Kehle durchgeschnitten zu haben. Nach ihrer Festnahme gab die Frau der Polizei den Hinweis auf einen zweiten toten Säugling, den sie in einen Müllcontainer in Braunschweig geworfen hatte.

Von Christina Sticht

GIFHORN/BRAUNSCHWEIG (dpa). "Ich bin die gesuchte Mörderin des Babys vom Waller See." Mit diesen Worten hat sich eine 35 Jahre alte Frau der Braunschweiger Polizei gestellt.

Fast sechs Jahre hatte eine Mordkommission mit Hochdruck nach der Frau gefahndet. Sie hatte im Juni 2005 ihrem Neugeborenen direkt nach der Geburt die Kehle durchgeschnitten und es am Waller See im Kreis Gifhorn vergraben.

Ein Zufall führte die Beamten jetzt auf die Spur der Mutter. Sie gestand die Tat. Wenig später erzählte die 35-Jährige den Ermittlern, dass sie kurz zuvor ein zweites Baby in der Badewanne zur Welt gebracht habe.

Sie sei ohnmächtig geworden, das Kind ertrunken. Die Beamten fanden die Leiche des kleinen Mädchens nach der präzisen Beschreibung der Frau in einem Müllcontainer in Braunschweig.

Frau ist angeblich nicht psychisch krank

Was treibt eine Mutter dazu, ihr Baby zu töten, obwohl es so viele Hilfsangebote für Frauen gibt, die ungewollt schwanger geworden sind? "Offensichtlich war sie mit der Situation überfordert", sagte der Leiter der Mordkommission "Baby", Jürgen Schmidt, am Montag (9. Mai) in Gifhorn. Beide Kinder stammten aus längeren Beziehungen mit verheirateten Männern, die keine außerehelichen Kinder wollten.

"Wir wissen noch nichts von weiteren unentdeckten Schwangerschaften, können das aber nicht ausschließen", sagte Schmidt auf die Frage, ob möglicherweise noch mehr Säuglinge zu Tode gekommen sein könnten. Die Frau hatte die beiden toten Mädchen in Plastiktüten verpackt und zunächst einige Tage in ihrer Wohnung aufbewahrt.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand ist die allein lebende Frau nicht psychisch krank. Nach Polizeiangaben hielt sie sich mit Gelegenheitsjobs in der Gastronomie über Wasser. Zur Nationalität machten die Beamten keine Angaben.

"Sie ist ledig, hat mehrere Beziehungen gehabt und ist ansonsten eher unauffällig gewesen", berichtete Kriminalhauptkommissar Schmidt.

Zigarettenkippe bringt Fahnder auf die Spur

Ein gestohlener VW-Bus eines Braunschweiger Gastronomiebetriebs brachte die Fahnder auf die Spur der Frau. Im Aschenbecher des Wagens wurde im März 2010 eine Zigarettenkippe gesichert.

Wie sich bei der Analyse im Landeskriminalamt in Hannover herausstellte, stimmte diese DNA-Spur ausgerechnet mit der DNA der Mutter des getöteten Babys vom Waller See überein. Am Leichenfundort waren damals Zigarettenkippen gefunden worden, die eindeutig der Mutter zugeordnet wurden.

Mit dieser neuen Spur hatte niemand gerechnet. Die 35-Jährige aus dem Umfeld des Gastronomiebetriebs verweigerte eine Speichelprobe und machte sich damit verdächtig. Als sie merkte, dass eine Flucht sinnlos war, stellte sie sich den Behörden.

Schwangerschaften geheim gehalten

In ihren Vernehmungen gab sie an, beide Schwangerschaften geheim gehalten zu haben. Die Väter der toten Babys bestätigten, dass sie nichts von der Schwangerschaft bemerkt hätten. Die werdende Mutter besuchte während der Schwangerschaften auch keinen Arzt.

Gegen die Frau wurde Haftbefehl wegen Totschlags erlassen. Unklar ist bisher auch, warum die Mordkommission erst Anfang April von der DNA-Übereinstimmung erfuhr.

Wären die Proben früher untersucht worden, hätte der Tod des zweiten Kindes vielleicht sogar noch verhindert werden können. (dpa)

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