Apotheker plus, 27.05.2011

Die Landapotheke ist kein Auslaufmodell!

Eine kleine Apotheke auf dem norddeutschen Flachland ist nicht eben das, wovon marketingaffine Apotheker träumen. Doch Lutz Kappey hat diese Entscheidung bewusst getroffen - und ist mit der Wahl sehr zufrieden.

Von Dirk Schnack

Die Landapotheke ist kein Auslaufmodell!

Idyllischer geht es kaum: Die historische Apotheke am Markt in Burg in Norddeutschland ist ein optisches Schmuckstück.

© Dirk Schnack

Die Apotheke am Markt kommt den Vorstellungen einer idyllischen Landapotheke nahe: Vier uralte Linden blühen vor dem schätzungsweise etwa 200 Jahre alten Haus in Burg in Dithmarschen, in dem seit 1839 eine Apotheke untergebracht ist. Die blau gestrichenen Holztüren in dem weißen Gebäude fügen sich perfekt in den Küstenstil. Es fehlt eigentlich nur das Reetdach - das findet man auf dem Nachbargebäude.

Wer in Wikipedia etwas über den kleinen Luftkurort Burg in Dithmarschen nachliest, findet unter den Fotos der Sehenswürdigkeiten als erstes die königlich privilegierte Apotheke am Markt. Es ist also keine Überraschung, dass Apotheker Lutz Michael Kappey sich nach langer Suche für diesen Standort entschieden hat und dabei das Ambiente als den ausschlaggebenden Faktor nennt.

Die Landapotheke ist kein Auslaufmodell!

Apotheker Lutz Kappey mag die norddeutsche Mentalität seiner Kunden.

© Dirk Schnack

"Genau das habe ich mir unter einer schönen alten Apotheke immer vorgestellt. Das Herz muss bei einer solchen Entscheidung lachen", sagt er. Lutz Kappey hat vorher eine Apotheke im Schwarzwald geführt, war aber schon lange auf der Suche nach einem Standort im Norden - er und seine Frau teilen eine große Vorliebe für den Küstenlandstrich.

Gute Versorgungsstruktur und geringere Kosten

Viele Apotheken haben sie sich angesehen, bevor sie in Dithmarschen fündig wurden. Ganz bewusst hat Lutz Kappey sich für eine Landapotheke, die von manchen Funktionären und Gesundheitspolitikern bereits als Auslaufmodell beschrieben wird, entschieden.

Der 51-jährige schätzt nicht nur die Mentalität der Bevölkerung - "hier sagt man, was man denkt" - und die Kontakte zu den Landärzten, sondern nennt auch handfeste betriebswirtschaftliche Gründe für seine Entscheidung: "In unserem Einzugsgebiet sind genug Einwohner für die vorhandenen drei Apotheken.

Das Risiko, dass die Menschen zur Konkurrenz abwandern oder sich neue Mitbewerber ansiedeln, ist ziemlich gering", sagt Lutz Kappey. Hinzu kommen im Vergleich zur Stadt geringere Kosten für die Miete beziehungsweise den Kauf einer Immobilie.

Lutz Kappey hat aber noch weitere Pluspunkte ausgemacht. Zum einen die Öffnungszeiten: Von acht bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr. Von solchen Bedingungen können Kollegen in den Konkurrenzlagen der Stadt nur träumen.

In Burg erwartet niemand um 22 Uhr am Abend eine geöffnete Apotheke. Es ist sogar allgemein akzeptiert, dass die Apotheke am Markt im Wechsel mit der zweiten Apotheke im Ort mittwochnachmittags schließt.

Ein weiterer Unterschied zur Stadt betrifft die Inanspruchnahme von Ärzten und Apothekern. "Die Menschen auf dem Land gehen in der Regel erst zum Hausarzt, dann in die Apotheke. Der Rezeptanteil ist daher stabil. Deutlich mehr als die Hälfte fällt dabei auf gesetzlich Versicherte", sagt Lutz Kappey. Diese Erfahrung deckt sich mit Zahlen, die er aus seiner vorherigen Tätigkeit an zwei anderen Standorten auf dem Land kennt.

Standort kann über Jahre die Existenz sichern

Lutz Kappey hat seine im vergangenen Jahr getroffene Entscheidung nicht bereut. "Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen sind so, dass ich mir vorstellen kann, dass dieser Standort die nächsten 15 Jahre meine Existenz sichert", sagt er vorsichtig - wohl wissend, dass politische Entscheidungen jede Planung über den Haufen werfen können.

Manche Kritik an politischen Entscheidungen kann er gut nachvollziehen. Dass aber allein wegen gesundheitspolitischer Reformen Landapotheken auf breiter Front schließen müssen, glaubt er nicht. Nach seinen Erfahrungen sind manche Probleme auch hausgemacht.

Viele der zum Verkauf angebotenen Apotheken sind nach seiner Ansicht schlicht überteuert und von den ausscheidenden Besitzern nicht für Nachfolger attraktiv gemacht worden - ein Grund, weshalb er so lange nach dem richtigen Objekt suchen musste.

Neuer Glanz in altem Ambiente

Das heißt aber nicht, dass er in der Apotheke am Markt alles so weiter- führt, wie es sein Vorgänger hinterlassen hat. Derzeit baut er daher im Inneren des Hauses viel um. Außerdem Inhaber gibt es zurzeit noch zwei weitere Ganztags- und eine Teilzeitkraft sowie drei Fahrer.

Froh ist er über die drei im Ort niedergelassenen Hausärzte und die im Nachbarort bestehende Doppelpraxis. Gedanken macht er sich allerdings über den Fortbestand der niedergelassenen Praxen, weil Dithmarschen im Norden als einer der Landstriche gilt, in denen aus Altersgründen ausscheidende Ärzte nur schwer Nachfolger finden.

Denn bei aller Kundentreue - auch Lutz Kappey weiß, dass ein Patient, der wegen des Arztes bis nach Heide fahren muss, dort auch die Apotheke aufsuchen würde.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Gala mit Herz und Verstand

Mit einer festlichen Gala hat Springer Medizin pharmakologische Innovationen und ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Die Preisträger vermittelten Hoffnung auf Heilung und auf Hilfe, hieß es am Donnerstagabend. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der deutschen pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »