Ärzte Zeitung online, 11.05.2011

EU-Behörde warnt: Neue Drogen überfluten Europa

LISSABON (dpa). Neue Drogen sind in Europa auf dem Vormarsch: Wie die EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) mitteilte, wurden im vergangenen Jahr auf dem europäischen Markt insgesamt 41 neue Drogen registriert.

EU-Behörde warnt: Neue Drogen überfluten Europa

Die Zahl der synthetischen Cannabinoide ("Spice") stieg in Europa dramatisch an.

© dpa

Das sei die höchste Zahl von psychoaktiven Substanzen, die bisher jemals in einem Jahr gemeldet worden seien, heißt es in dem in Lissabon veröffentlichten EBDD-Jahresbericht.

Die Anzahl neuer Drogen, die der EBDD und Europol über das Frühwarnsystem der EU für neue psychoaktive Substanzen gemeldet wurden, liegt den Angaben zufolge deutlich über den 2009 (24) und 2008 (13) verzeichneten Werten.

Die neuen Drogen würden in Europa "in noch nie da gewesenem Tempo allgemein verfügbar", warnte die EBDD.

"Spice-Phänomen" zu erkennen

Zur vielfältigen Liste von Substanzen gehörten synthetische Cannabinoide, synthetische Cathinone, synthetische Derivate etablierter Drogen und eine Substanz auf pflanzlicher Basis.

Allein die Zahl der synthetische Cannabinoide ("Spice"), die in Europa überwacht werden, sei im vergangenen Jahr von 16 auf 27 angestiegen. Es ist von einem "Spice-Phänomen" die Rede.

Mindestens 16 EU-Länder hätten jetzt deshalb aus Gesundheitsbedenken rechtliche Maßnahmen ergriffen, um "Spice"-Erzeugnisse und damit verwandte Verbindungen zu verbieten oder zumindest zu kontrollieren, so die EBDD.

140 neue Drogen seit 1997 gemeldet

Seit der Einrichtung des Frühwarnsystems im Jahr 1997 wurden EBDD und Europol bislang damit über 140 neue Drogen gemeldet.

Das derzeitige System sei jedoch nicht in der Lage, "aufkommende Bedrohungen vorherzusagen, indem neue Verbindungen aktiv gekauft, synthetisiert und untersucht werden", erklärt der Leiter der Beobachtungsstelle, Wolfgang Gölz.

Dem könnte aber, so Gölz, "durch eine bessere Fähigkeit zur kriminaltechnischen forensischen Analyse und Forschung auf europäischer Ebene abgeholfen werden".

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