Ärzte Zeitung online, 19.05.2011

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Gunther von Hagens

HEIDELBERG (dpa/eb). Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat Anklage gegen Dr. Gunther von Hagens erhoben. Der Leichen-Präparator soll angeblich Steuern hinterzogen und Sozialversicherungsbeiträge nicht gezahlt haben. Der 66-Jährige bestreitet die Vorwürfe und wettert gegen die Strafverfolger.

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Leichen-Präparator Gunther von Hagens

Dr. Gunther von Hagens muss sich vor Gericht behaupten. Ihm wird vorgewofen, Steuern hinterzogen und Sozialversicherungsbeiträge nicht gezahlt zu haben.

© imago

Die Staatsanwaltschaft Heidelberg versuche, ihn zu kriminalisieren, hieß es in einer Mitteilung von von Hagens.

Die Strafverfolger werfen von Hagens und seiner Frau vor, in ihren Betrieben zahlreiche Scheinselbstständige beschäftigt zu haben, um Sozialabgaben und Lohnsteuern zu sparen. Es geht nach Angaben der Staatsanwaltschaft um insgesamt rund 465.000 Euro.

"Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft ist interessengelenkt"

Von Hagens warf dagegen der Staatsanwaltschaft vor, sie ziele einzig auf seine Person ab. Die Heidelberger Strafverfolger seien bereits früher damit gescheitert, ihn strafrechtlich zu belangen.

Sein Anwalt Franz-Josef Schillo kündigte in der Mitteilung an: "Wir werden nachweisen, dass das Vorgehen der Staatsanwaltschaft interessengelenkt ist und darauf abzielt, die weltweite Reputation in der Öffentlichkeit zu schädigen und ihn als Wissenschaftler infrage zu stellen."

Auch von Hagens' Frau angeklagt

Der Staatsanwaltschaft zufolge soll von Hagens‘ Frau als Verantwortliche von drei Unternehmen in Heidelberg und dem brandenburgischen Guben zwischen Mai 2005 bis Oktober 2008 zahlreiche Polen beschäftigt haben, ohne für sie Sozialabgaben und Lohnsteuern abzuführen.

Von Hagens wird unter anderem vorgeworfen, seine Frau dazu angestiftet zu haben.

Mehr als 40 Millionen Euro in Guben investiert

"Ich habe im brandenburgischen Guben seit 2006 mehr als 40 Millionen Euro investiert und zeitweise fast 200 Menschen beschäftigt, viele davon aus der Arbeitslosigkeit gerettet", betonte von Hagens in der Mitteilung.

"Während die Staatsanwaltschaft Brandenburg als lokal zuständige Behörde keinerlei Veranlassung für ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren sah, ordneten die Heidelberger Staatsanwälte im April 2008 eine Hausdurchsuchung an."

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Von der Party in die Notaufnahme

Nach reichlichem Genuss von Energy-Drinks entwickelt ein junger Patient einen Infarkt. Die Diagnostik zeigt einen überraschenden Befund - und wirft zusätzlich Fragen auf. mehr »

Webbasierter Arzneiplan bindet Pflege ein

Der schnelle Austausch zwischen Ärzten, Pflegern und Apotheken kann die Qualität der Arzneitherapie um 25 Prozent verbessern. Das zeigt das Projekt InTherAKT aus Münster. mehr »

Kleine Blutungen sind kein Grund, die Antikoagulation abzusetzen

Unter oraler Antikoagulation haben Patienten häufig Nasenbluten und andere kleinere Blutungen. Bedenklich sind solche lästigen Zwischenfälle aber nicht, bestätigt eine Registerstudie. mehr »