Ärzte Zeitung online, 31.05.2011

Homo- oder heterosexuell? Das lässt sich im MRT erkennen

LISSABON (eb). US-Forscher haben mit bildgebenden Verfahren Unterschiede in den Gehirnen von Menschen gefunden, die auf ihre sexuelle Orientierung schließen lassen. Vor allem Unterschiede in der Amygdala scheinen dabei aussagekräftig zu sein.

"Sexuelle Orientierung sucht man sich nicht aus. Sie wird einem vor allem neurobiologisch in die Wiege gelegt", ist Dr. Jerome Goldstein vom San Francisco Clinical Research Center in den USA überzeugt: "Die Verbindung zwischen neurobiologischer Veranlagung und sexueller Orientierung ist heute klar - aber jetzt können wir sie auch mittels bildgebender Verfahren für das Auge sichtbar machen."

Auf der Jahrestagung der Europäischen Neurologen-Gesellschaft (ENS) in Lissabon zeigte er, dass sich mithilfe von modernen bildgebenden Verfahren wie volumetrischer MRT, fMRT oder Positronen-Emissions-Tomografie (PET) Unterschiede in den Gehirnen von Menschen unterschiedlicher sexueller Ausrichtung nachweisen lassen.

Aus Zwillingsstudien gibt es zuvor bereits Hinweise, dass die sexuelle Orientierung vermutlich genetische Ursachen hat. Dr. Goldstein hat begonnen, eine Datenbank mit eineiigen Zwillingen anzulegen, deren sexuelle Orientierung und Gehirnfunktionen zur Erforschung weiterer Details mittels MRT, fMRT und PET untersucht werden soll.

"Die Bildgebungsstudien haben gezeigt, dass sich bei Homosexuellen und Heterosexuellen zum Beispiel die Größe der Amygdala signifikant unterscheidet", sagte Goldstein. Dafür sprechen etwa Daten von Dr. Ivanka Savic-Berglund und Dr. Per Lindström vom Karolinska-Institut in Stockholm in Schweden.

Nach ihren Ergebnissen ähneln die Volumina bestimmter Gehirnstrukturen homosexueller Männer jenen von heterosexuellen Frauen, und solche homosexueller Frauen gleichen jenen von heterosexuellen Männern. Auch Studien zu Pheromonen hätten wichtige Erkenntnisse zur Sexualität beigetragen, so Goldstein.

"Bei homosexuellen Studien-Teilnehmern konnten geschlechtsatypische Verbindungen gefunden werden. Auch Unterschiede bei der Amygdala-Konnektivität stellten sich als statistisch signifikant heraus und lieferten einen Hinweis für den Sexualdimorphismus von Homosexuellen und Heterosexuellen.

"Es liegt auf der Hand, dass sexuelle Orientierung im Kopf beginnt, also in den unterschiedlichen Gehirnstrukturen und -funktionen. Die Neurowissenschaften können viel zum Verständnis der Ursachen unterschiedlicher sexueller Orientierung beitragen", betonte der Forscher.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Marathon geht Amateuren richtig ans Herz

Wer sich als Amateur an einen Marathon wagt, ist trotz regelmäßigen Trainings kardial gefährdet. Studienautoren geben einen Tipp, um das Herz nicht so stark zu belasten. mehr »

VR-Therapie dämpft Paranoia

Einfach mal ins Café gehen oder mit dem Bus fahren – für Patienten mit schwerer Paranoia ist das schwer vorstellbar. In einer virtuellen Umgebung können sie jedoch lernen, mit ihren Ängsten umzugehen. mehr »

Wie Physician Assistants im Job ankommen

Bewährt sich ein auf dem Papier geschaffener Gesundheitsberuf in der Praxis? Nach dem Studium schwärmen die „Arztassistenten“ in die Kliniken aus. Absolventin, Ausbilder und Chefarzt ziehen Bilanz. mehr »