Ärzte Zeitung online, 31.05.2011

WHO-Gremium nennt Mobilfunk "möglicherweise krebserregend"

LYON/HAMBURG (dpa). Handystrahlung ist "möglicherweise krebserregend". Zu diesem Schluss kommt jetzt jedenfalls eine Expertengruppe der Internationalen Agentur für Krebsforschung IARC in Lyon.

31 Fachleute aus 14 Ländern hatten dort rund eine Woche lang "nahezu sämtliche verfügbaren wissenschaftlichen Belege" ausgewertet, wie die IARC am Dienstag zum Abschluss der Beratungen mitteilte.

Ein Krebsrisiko durch hochfrequente elektromagnetische Strahlung, wie sie von Handys, Rundfunk und Radar benutzt wird, kann demnach nicht ausgeschlossen werden.

"Es ist im Moment nicht eindeutig belegt, dass die Nutzung von Mobiltelefonen Krebs bei Menschen auslösen kann", erläuterte Dr. Kurt Straif, Vorsitzender des Monografien-Programms der IARC, in dem bereits mehr als 900 mögliche Krebsauslöser bewertet worden sind.

Dennoch entschlossen sich die Fachleute zur Einstufung der Strahlung als "möglicherweise krebserregend" ("possibly carcinogenic"), da es aus einzelnen Studien Hinweise auf ein möglicherweise erhöhtes Hirntumorrisiko vor allem bei starken Handynutzern gebe.

Die Experten betonten zugleich, weitere Studien seien nötig, auf deren Grundlage das Krebspotenzial der Strahlung in einigen Jahren erneut bewertet werden soll. Die IARC ist das 1965 gegründete Krebsforschungsinstitut der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Sie soll Regierungen und Behörden unabhängiges Expertenwissen zu möglicherweise krebserregenden Umweltfaktoren zur Verfügung stellen und hat bereits mehr als 900 mögliche Krebsfaktoren in Monografien bewertet.

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