Ärzte Zeitung online, 01.06.2011

Ärzte ohne Grenzen: Mitarbeiter in Bahrain in Haft

BRÜSSEL (ths/dpa). Die Nothilfeorganisation "Ärzte ohne Grenzen" sorgt sich um einen Mitarbeiter, der in Bahrain festgenommen worden ist. Warum Saeed Mahdi verhaftet wurde und wo er sich gerade aufhält, wüssten nicht mal seine Familie und sein Anwalt, teilte die Organisation in einer Mitteilung mit.

Bereits am 6. Mai sei Mahdi verhaftet worden - zwei Tage, nachdem Sicherheitskräfte sein Haus niedergebrannt hätten, berichtete Ärzte ohne Grenzen. Bei der Festnahme sei er schwer geschlagen worden.

"Seit der Verhaftung von Saeed Mahdi haben wir keine Informationen darüber, wo er gefangen gehalten wird oder was ihm vorgeworfen wird", erklärte Jerome Oberreit, der Programmleiter von Ärzte ohne Grenzen in Brüssel.

Wie Pressereferent Stefan Dold gegenüber der "Ärzte Zeitung" mitteilte, ist Saeed Mahdi ein Einheimischer, der bei der Organisation der Projekte von Ärzte ohne Grenzen in der Hauptstadt Manama mitarbeitete.

Auch Familienangehörige und Anwalt im Unklaren

Wieso Mahdi verhaftet wurde, und wo er sich befindet, darüber machten die Behörden laut Ärzte ohne Grenzen keine Angaben - nicht einmal gegenüber seiner Familie und seinem Anwalt.

Auch sei ihnen bislang nicht erlaubt worden, den Inhaftierten zu besuchen, obwohl das Innenministerium und das Ministerium für gesellschaftliche Entwicklung das zugesichert hätten, hieß es in der Mitteilung.

"Angesichts der Verletzungen, die unsere Mitarbeiter bei Patienten festgestellt haben, die in der Haft misshandelt wurden, sind wir äußerst besorgt um die Sicherheit von Saeed Mahdi", erklärt Oberreit.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet nach eigenen Angaben seit Beginn der Proteste im Februar in Bahrain. Seitdem hätten die Mitarbeiter fast 100 Personen getroffen, die aus Angst vor Übergriffen die Gesundheitseinrichtungen meiden, obwohl sie behandelt werden müssten, berichtete die Organisation. Dadurch würden zahlreichen Kranken und Verletzten medizinische Hilfe vorenthalten.

Ausnahmezustand aufgehoben

Die Lage in Bahrain könnte sich aber in Kürze verbessern. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa hob das arabische Königreich den vor zweieinhalb Monaten verhängten Ausnahmezustand am Mittwoch (1. Juni) auf.

Einwohner der Hauptstadt berichteten, die zuvor auf Straßen und Plätzen stationierten Panzer und Soldaten seien abgezogen. Eine gewisse Nervosität sei jedoch immer noch spürbar. Einige Aktivisten hätten weitere Protestdemonstrationen angekündigt.

Nach offiziellen Angaben starben seit Beginn der Proteste am 14. Februar 24 Menschen, darunter vier Polizisten. Vier Aktivisten starben in Haft.

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