Ärzte Zeitung online, 08.06.2011

Amnesty warnt vor neuen Gewaltexzessen in Kirgistan

BISCHKEK/MOSKAU (dpa). Ein Jahr nach blutigen Unruhen mit geschätzten 2000 Toten in Kirgistan haben Menschenrechtler vor neuen Gewaltexzessen gewarnt.

Noch immer seien "Tausende Täter" von der Justiz nicht zur Rechenschaft für Mord, Diebstahl und Vergewaltigung gezogen worden, kritisierte die Europa- und Zentralasien-Direktorin von Amnesty International, Nicola Duckworth, in einer Mitteilung zum Jahrestag.

Dieses "Versagen" der kirgisischen Behörden könne neue ethnische Konflikte in dem zentralasiatischen Land provozieren.

Duckworth rief die Regierung der Ex-Sowjetrepublik auf, ihre Versprechen einer Aufklärung aller Straftaten "endlich zu erfüllen".

"Warten noch immer auf Gerechtigkeit"

Der Süden des Hochgebirgslands war vom 10. Juni 2010 an von ethnischen Unruhen zwischen Kirgisen und Usbeken erschüttert worden. Hunderttausende flohen aus der Konfliktregion.

"Wir warten ein Jahr später noch immer auf Gerechtigkeit", betonte Duckworth. Drei Viertel der Opfer seien Angehörige der usbekischen Minderheit gewesen.

Kirgistan ist nach dem Sturz von Staatspräsident Kurmanbek Bakijew und anschließenden Neuwahlen das erste Land in der sonst autoritär regierten Region Zentralasien mit einer parlamentarischen Demokratie.

Aber auch ein Jahr nach dem Blutvergießen gilt das Land an der Grenze zu China noch immer als politisch tief gespalten und höchst instabil.

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