Ärzte Zeitung online, 26.06.2011
 

Aus für digitale Krankenakte Google Health

NEU-ISENBURG (eb/dpa). Die Erwartungen von Google waren groß, als das Unternehmen 2008 in den USA Google Health online stellte. Gedacht war der Dienst als personalisierte digitale Krankenakte. Doch die potenziellen Nutzer blieben aus. Vielleicht auch deshalb, weil Kritiker vor der Speicherung sensibler Patientendaten bei einem kommerziellen Unternehmen warnten.

Aus für digitale Krankenakte Google Health

Auf Google Health werden die Nutzer informiert, dass der Webdienst eingestellt wird.

© google.com

Jetzt hat das Unternehmen bekannt gegeben, dass der Onlinedienst Ende 2011 eingestellt wird. Noch bis Ende 2012 sollen Nutzer von Google Health die Möglichkeit haben, ihre Daten herunter zu laden oder zu anderen Anbietern ähnlicher Dienste zu transferieren, etwa HealthVault von Microsoft.

Google Health sollte Millionen internetaffiner Nutzer als persönliche digitale Krankenakte dienen. Alles rund um Gesundheit und Krankheit sollte dort eingetragen werden: frühere Krankheiten, aktuelle Erkrankungen, Untersuchungsbefunde, Therapien wie Operationen oder Medikamente, Allergien und Unverträglichkeiten.

Auch Ärzte in Praxen und Kliniken sowie Apotheker sollten die Möglichkeit bekommen, patientenbezogene Daten einsehen und auch selbst eingeben können - vorausgesetzt, sie wären eine Partnerschaft mit dem Unternehmen eingegangen.

Doch von Anfang an gab es Kritik daran, dass ein kommerzielles Unternehmen, das längst als Datenkrake wahrgenommen wird, sensible Daten zur Gesundheit speichert. Die Kritiken wurden befeuert durch Gerüchte, dass sich Google vorstellen könnte, Patientendaten anonymisiert kommerziell zu vermarkten.

Aus auch für den Onlinedienst Google PowerMeter

Ebenfalls eingestellt wird der US-Dienst Google PowerMeter, wie das Unternehmen bekannt gab. Mit dem 2009 gestarteten Dienst können Nutzer in Verbindung mit einem digitalen Stromzähler ihren Stromverbrauch am Computer überwachen und möglichen Energiefressern auf die Spur kommen. Der PowerMeter habe nicht so schnell Kunden gewonnen wie gewünscht, begründete Google das Aus für den Dienst im September.

Unter anderem das Interesse von Stromanbietern, von denen viele mit eigenen intelligenten Zählern experimentieren, blieb schwach. Unter den wenigen Partnern war Yello Strom aus Deutschland mit seinem digitalen Sparzähler.

"Wir glauben, dass Google Health and PowerMeter in ihren Bereichen Wegbereiter waren", zeigte sich Google jetzt überzeugt. Letztendlich wolle man aber die Bedürfnisse von möglichst vielen Menschen ansprechen - und da diese Dienste nicht schnell genug Kunden gewinnen konnten, lägen die Prioritäten jetzt woanders.

Pressemitteilung von Google zum Aus für Google Health und Google PowerMeter

Lesen Sie auch:
Google Health: Altruismus oder Datenhandel?

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Kommentar: Geplatzter Traum eines Konzerns

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[27.06.2011, 15:09:29]
Dr. Manfred Stapff 
Sieg der Panikmache - Einfach nur schade!
Wäre doch zu schön gewesen: das überbürokratisierte Gesundheitswesen mit den unterschiedlichsten Leistungsanbietern zu Gunsten des Patienten effektiv zu vernetzen und dabei den Patienten einzig und alleine bestimmen zu lassen, wer was sehen darf. Mein Google-Health Account enthält z.B. Anamnese, Diagnosen, Labowerte und Verordnungen (automatisch von Labors bzw. Apotheken importiert). Wenn ein Arztbesuch bevorsteht, kann ich dem Kollegen Zugang zu meinen Daten erteilen, was die Burokratie verkürzt und mehr Zeit für den Patienten erlaubt. Das alles für mich kostenlos! Natürlich muss sich Google auch irgendwie finanzieren, z.B. durch Werbung oder durch anonyme Nutzerstatistiken. Aber noch nie wurden meine Daten für irgendwelche personalisierte Marketingaktionen oder sonstiges missbraucht.
Leider haben nun die paranoiden Googlephobiker wieder einmal tatsächlichen Technologienutzen zu Gunsten virtueller Ängste verhindert. zum Beitrag »

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