Ärzte Zeitung online, 11.07.2011

Fährunglück auf der Wolga: Kaum Hoffnung

Russland stellt sich nach dem Untergang eines Ausflugsschiffs auf der Wolga auf viele Tote ein. Die Tragödie ereignete sich, wo der Fluss am breitesten ist und bei einem schweren Unwetter. Möglicherweise war das mehr als 50 Jahre alte Passagierschiff überladen.

MOSKAU (dpa). Nach der schweren Schiffskatastrophe auf dem russischen Fluss Wolga gibt es nach offiziellen Angaben kaum noch Hoffnung auf Überlebende unter den mehr als 100 Vermissten.

Die Chancen seien minimal, teilte das Zivilschutzministerium nach Angaben der Agentur Interfax am Sonntagabend mit. Augenzeugen hatten zuvor von vielen Toten berichtet, darunter auch Kinder, die bei dem Unglück ertrunken seien. Etwa 80 Schiffsinsassen waren gerettet worden.

Demnach begannen Taucher in der Nacht mit der Suche nach Leichen in dem Schiffswrack vom Grund der Wolga. Offiziell bestätigt waren zunächst drei Tote.

Schiff war in schweres Unwetter geraten

Das Ausflugsschiff "Bulgaria" war am Nachmittag mit 185 Menschen an Bord bei einem schweren Unwetter gesunken. Nach ersten Erkenntnissen gehen Ermittler davon aus, dass das mehr als 50 Jahre alte Schiff zu viele Passagiere an Bord hatte.

Die "Bulgaria" war bei Sjukejewo etwa 80 Kilometer von Kasan - der Hauptstadt der Teilrepublik Tatarstan - entfernt gesunken. Das nachfolgende Kreuzfahrtschiff "Arabella" habe Dutzende Menschen von der sinkenden "Bulgaria" gerettet, teilten die Behörden mit.

"Der Kapitän hätte wissen müssen, dass das Wetter keine Kreuzfahrten erlaubt", sagte der Sprecher der örtlichen Zivilschutzbehörde, Michail Turkow, nach Angaben der Agentur Interfax. Den ganzen Tag über hatte es widersprüchliche Angaben zur Zahl der Menschen an Bord sowie zu den Geretteten und Vermissten gegeben.

Großeinsatz mit Rettungsflugzeugen

Präsident Dmitri Medwedew ordnete einen Großeinsatz von Rettungskräften an. Das Zivilschutzministerium schickte ein Rettungsflugzeug mit Sondereinsatzkräften in die Region. Die Generalstaatsanwaltschaft entsandte Sonderermittler.

Nach ersten Erkenntnissen könnte eine Verkettung unglücklicher Umstände zu dem Unglück geführt haben: das Unwetter, das hohe Alter des Schiffs sowie unzureichende Sicherheitsvorkehrungen an Bord, hieß es.

Die "Bulgaria" war nach Augenzeugenberichten bei schlechtem Wetter havariert. Demnach sank das Schiff mit zwei Decks innerhalb weniger Minuten rund drei Kilometer vom Ufer entfernt.

An der Unglücksstelle ist die Wolga den Angaben zufolge am breitesten und etwa 20 Meter tief. Das Schiff des Reiseanbieters "Agroretschtur" war nach Medienberichten um 1955 in der damaligen Tschechoslowakei gebaut worden.

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