Ärzte Zeitung online, 18.07.2011

Uni Heidelberg wehrt sich gegen Koch-Mehrin

HEIDELBERG (dpa). Die Universität Heidelberg wehrt sich massiv gegen die Darstellung der FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin, nach der die Mängel ihrer Doktorarbeit den Gutachtern schon im Jahr 2000 bekannt gewesen seien.

"Ein Plagiat ist keine 'Schwäche‘, sondern ein Vergehen", sagte eine Sprecherin am Montag. Hätte man von den Plagiaten gewusst, "hätte Frau Koch-Mehrin an dieser Hochschule keinen Doktortitel erwerben können". Inhaltliche Schwächen einer Arbeit seien etwas völlig anderes als ein nachgewiesenes Plagiat.

Die Hochschule hatte im Juni entschieden, der FDP-Politikerin den Doktortitel wegen zahlreicher Plagiate zu entziehen. Dagegen legte Koch-Mehrin inzwischen Widerspruch ein.

Es handelte sich aber bislang nur um einen formalen Widerspruch, sagte die Sprecherin. Die Universität werde sich erst dann erneut mit der Sache beschäftigen, wenn innerhalb der nächsten drei Monate auch die Begründung nachgereicht werde.

Sollte der Promotionsausschuss sein Urteil nicht revidieren, prüfe das Rektorat der Universität. Wenn auch diese Instanz den Titel-Entzug bestätige, stehe Koch-Mehrin der Weg zum Verwaltungsgericht offen.

Die FDP-Politikerin hatte bereits Mitte Juni erklärt, der Promotionsausschuss habe ihr 2000 "in voller Kenntnis aller eklatanten Schwächen meiner Arbeit den Doktortitel verliehen". Die Uni hatte den Titelentzug jetzt mit 120 Textstellen auf 80 Seiten der Doktorarbeit begründet, die als Plagiate zu klassifizieren seien.

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[19.07.2011, 11:33:06]
Dr. Horst Grünwoldt 
Persönliche Schwächen
Die dreiste Frau Koch-Mehrin und ihr Promotions-Skandal zeigt uns abermals, was für schwache Persönlichkeiten deutsche Interessen bei der EU (nicht) vertreten.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt aus Rostock zum Beitrag »

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