Ärzte Zeitung online, 31.07.2011

Blinde Iranerin verzichtet im letzten Moment auf Blendung durch Säure

TEHERAN (dpa). Die nach einem Säure-Attentat eines verschmähten Verehrers entstellte Iranerin Ameneh Bahrami hat im letzten Moment auf die Blendung ihres Peinigers verzichtet. Das meldete die Webseite des staatlichen Senders IRIB.

Blinde Iranerin verzichtet im letzten Moment auf Blendung durch Säure

Ameneh Bahrami, die durch Schwefelsäure entstellte Iranerin, zeigt Bilder von sich vor dem Attentat.

© dpa

Die umstrittene Bestrafung nach dem Auge-um-Auge-Prinzip, bei der die Frau ihren Peiniger mit ätzender Flüssigkeit blenden sollte, sei für Sonntag geplant gewesen. Aber Bahrami habe in letzter Sekunde auf die Vergeltung verzichtet, hieß es in dem Bericht.

Opfer vergibt ihrem Peiniger

Bahrami sagte der Nachrichtenagentur ISNA, dass sie ihrem Peiniger verziehen habe. "Ich habe dies aus diversen Gründen getan: wegen Gott, für mein Land und für mich selbst."

Außerdem habe ihre Familie diese Rache nicht gewollt. "Ich habe sieben Jahre dafür gekämpft, dass diese Auge-um-Auge-Bestrafung ausgeführt wird, aber ich fühle mich jetzt befreit, dass es nicht geschehen ist", sagte sie. Nun sollte der Iran sie bei der medizinischen Behandlung unterstützen.

Die Wende kam überraschend

Die Wende in dem Fall kam überraschend. Im Mai wollte Bahrami die Aktion noch ausführen, erklärte sich aber bereit, für etwa zwei Millionen Euro darauf zu verzichten.

Die iranische Justiz hatte zwar zugunsten der Frau entschieden, Bahrami aber angeblich gebeten, das Urteil - auch wegen internationaler Kritik - nicht zu vollstrecken.

Verschmähter Verehrer rächte sich mit Schwefelsäure-Attentat

Ein Mann hatte Bahrami 2004 Schwefelsäure ins Gesicht geschüttet, weil sie seine Heiratsanträge abgelehnt hatte. Sie ist seitdem blind.

Nach islamischem Recht erlaubt das Auge-um-Auge-Prinzip Opfern, dem Täter gleiches Leid zuzufügen. Bahrami bekam 2008 in einem Gerichtsurteil das Recht zugesprochen, den Täter unter Betäubung mit Säure zu blenden.

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