Ärzte Zeitung online, 10.08.2011

Mubaraks deutscher Arzt will nicht nach Kairo

KAIRO/HEIDELBERG (dpa). Ägyptens inhaftierter Ex-Präsident Husni Mubarak muss auf seinen deutschen Arzt verzichten. Professor Markus Büchler, Chirurg an der Uniklinik Heidelberg, lehnt es ab, nach Kairo zu reisen.

Mubaraks deutscher Arzt will nicht nach Kairo

Bereits im März 2010 ließ sich Husni Mubarak (rechts) an der Uniklinik Heidelberg behandeln. Zu einer weiteren Behandlung wird sein Arzt, Professor Markus Büchler (links), allerdings nicht nach Kairo kommen.

© dpa

Der renommierte Chirurg werde nicht nach Kairo kommen, um seinen vor Gericht stehenden Patienten zu untersuchen. Wie eine Sprecherin der Uniklinik Heidelberg am Dienstag erklärte, könne der Arzt Mubarak "derzeit medizinisch nicht helfen". Büchler ist ärztlicher Direktor an der Chirurgie der Uniklinik Heidelberg.

Die Sprecherin bestätigte auch, dass Büchler "bedrohliche" E-Mails erhalten habe. Dies sei aber für ihn nicht der Hauptgrund dafür, auf eine Reise nach Ägypten zu verzichten.

Vielmehr möchte er sich nach Angaben der Sprecherin weder "für politische Zwecke instrumentalisieren lassen" noch selber in der derzeit unübersichtlichen Lage in Gefahr bringen.

Auf dem Krankenbett in den Gerichtssaal

Mubaraks Anwalt Farid al-Dib hatte in der vergangenen Woche behauptet, dass Büchler wegen E-Mails mit Todesdrohungen nicht nach Kairo kommen wolle.

Vor einer Woche hatte in der ägyptischen Hauptstadt ein viel beachteter Strafprozess gegen Mubarak begonnen. Dem Ex-Präsidenten werden die Tötung von über 800 Demonstranten und Amtsmissbrauch vorgeworfen.

Mubarak war auf dem Krankenbett in den Verhandlungssaal gerollt worden. Viele Ägypter hielten das für ein Schauspiel.

Büchler ist Spezialist Pankreas, Leber-, GIT- und Transplantations-Chirurgie. Er hatte Mubarak im März des Vorjahres in Heidelberg operiert.

Dieser wird seit seinem Sturz durch Massenproteste am 11. Februar im Krankenhaus wegen Herzproblemen und depressiven Zuständen behandelt.

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