Ärzte Zeitung online, 11.08.2011

Krawalle auf der Insel - Kliniken im Alarmzustand

Seit dem Wochenende herrscht in Großbritannien der Ausnahmezustand - jugendliche Banden halten Bürger und Polizei auf Trapp. Nun schalten auch die Kliniken auf Alarmstufe - in London droht eine Urlaubssperre für Ärzte.

Krawalle auf der Insel - Klinik im Alarmzustand

Prügelszene in Großbritannien: Londons Kliniken bereiten sich auf zahlreiche Verletzte vor.

© dpa

LONDON (ast). Londoner Krankenhäuser sind in Alarmbereitschaft für den Fall, dass die seit mehr als vier Tagen und Nächten anhaltenden Unruhen auf den Straßen zu einer großen Zahl von Verletzten führen.

Wie am Donnerstag bekannt wurde, werden offenbar dutzende Operationen und Aufnahmen vorsichtshalber abgesagt, damit in den Kliniken die Kapazitäten frei sind.

Bislang wurden bei den blutigen Unruhen in London, Birmingham, Manchester und anderen Städten mehr als 100 Menschen verletzt. Mindestens vier Menschen starben als Folge der Massenunruhen.

Urlaubssperre für das Klinikpersonal

Große Kliniken in London, wo die Ausschreitungen in den vergangenen Nächsten am gravierendsten waren, haben bestätigt, dass der stationäre Sektor in Alarmbereitschaft versetzt wurde.

In zahlreichen Kliniken, darunter dem Royal Hospital Whitechapel und dem Ealing Hospital prüften Klinikärzte am Donnerstag, welche Patienten "vorzeitig nach Hause geschickt" werden könnten, sollten plötzlich zusätzliche Betten benötigt werden, um Verletzte zu versorgen.

Andere Kliniken haben vorsichtshalber nicht-dringende Operationen abgesagt. Im Gespräch ist außerdem eine Urlaubssperre für Ärzte und Krankenpflegepersonal. Die Londoner Polizei hat bereits eine Urlaubssperre verhängt.

Erstmals ruhige Nacht seit vier Tagen

Seit der Nacht zu Sonntag erlebt Großbritannien die größten Unruhen der vergangenen 30 Jahre. Zunächst standen Londoner Stadtteile im Brennpunkt der Krawalle. Vor allem Jugendliche verabreden sich über den Blackberry Messenger-Dienste zu spontanen Überfällen.

Seit Anfang der Woche waren die Aufstände auch auf andere Städte in Großbritannien übergesprungen. Bislang starben vier Menschen. Mehr als 1000 Randalierer wurden in Gewahrsam genommen, davon mehr als 800 allein in London.

Die Gerichte arbeiten rund um die Uhr und greifen mittlerweile zu Schnellverfahren. Rund 300 Täter wurden bislang angeklagt, einige von ihnen wurden zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt.

Ein Großaufgebot von rund 16.000 Polizisten allein in London hatte in der Nacht zum Donnerstag weitere Proteste verhindern können.

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