Ärzte Zeitung online, 15.08.2011

Hunger in Somalia: "Alle haben Schuld"

ADDIS ABEBA/NAIROBI (dpa). Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat allen am somalischen Bürgerkrieg beteiligten Parteien vorgeworfen, zur Hungerkatastrophe in dem gebeutelten Land beigetragen zu haben.

Nicht nur die islamische as-Schabaab-Miliz, sondern auch die Übergangsregierung in Mogadischu sowie die Friedenstruppen der Afrikanischen Union (AU) hätten Verbrechen begangen und so die Lage der Bevölkerung verschlimmert, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Bericht.

"Alle Seiten müssen sofort mit den Missbräuchen gegen Zivilisten aufhören, die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und den Zugang zu Hilfen sowie Bewegungsfreiheit für Menschen, die vor Krieg und Dürre flüchten, sicherstellen", forderte die Organisation.

Der 58-seitige Report "Du weiß nicht, wen Du verantwortlich machen sollst: Kriegsverbrechen in Somalia" basiert hauptsächlich auf Interviews mit somalischen Flüchtlingen, die "Human Rights Watch" von ihren Erfahrungen erzählt haben. Sie berichteten unter anderem von gewaltsamen Angriffen, Vergewaltigungen, Einschüchterungen und Raub.

UN-Kommission soll Verbrechen untersuchen

Alle Seiten hätten Artilleriefeuer in Mogadischu eingesetzt und unschuldige Menschen getötet, hieß es weiter. Es müssten dringend Schritte ergriffen werden, "um die gesetzeswidrigen Angriffe zu beenden, Hilfe ins Land zu lassen und diesen humanitären Albtraum zu beenden", sagte Daniel Bekele, der Afrika-Direktor der Organisation.

Die Menschenrechtsorganisation fordert unter anderem eine Kommission der Vereinten Nationen, die die Verbrechen untersuchen und die Täter ausfindig machen soll.

Zudem müssten die USA, die Europäische Union und die UN Druck auf die somalische Übergangsregierung ausüben, die Verbrechen aufzuklären und - falls dies nicht geschieht - ihre Unterstützung für diese neu überdenken.

In Somalia gibt es seit 20 Jahren keine funktionierende Zentralregierung mehr. Das Land am Horn von Afrika ist vom Bürgerkrieg zerrissen und leidet besonders unter der schwersten Dürre seit 60 Jahren.

Die radikalislamische as-Schabaab-Miliz, die gegen die Übergangsregierung kämpft, verbietet zahlreichen westlichen Organisationen, Hilfen zu der leidenden Bevölkerung zu bringen.

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