Ärzte Zeitung online, 23.08.2011

Ein genialer Meister des deutschen Humors ist tot

Er war einer der ganz großen Deutschen: Der Humorist Vicco von Bülow alias Loriot ist tot. Er starb am Montag in Ammerland am Starnberger See im Alter von 87 Jahren. Seine Sketche und sein unvergleichlicher Sprachwitz sind legendär.

Ein genialer Meister des deutschen Humors ist tot

Evelyn Hamann und Vicco von Bülow auf dem Gründerzeitsofa. Sie begeisterten TV-Zuschauer mit brillanten Sketchen.

© dpa

BERLIN/AMMERLAND (eb/dpa). Wer mit dem klinischen Wörterbuch "Pschyrembel" vertraut ist, der kennt gewiss auch die Figur der Steinlaus. Erstmals in das Nachschlagewerk aufgenommen wurde dieses fiktive Nagetier im Jahr 1983.

Ihr Erfinder: Vicco von Bülow. Er hatte die Steinlaus zuvor als "possierlichen kleinen Racker" in einer Parodie auf den Fernseh-Zoologen Bernhard Grzimek vorgestellt. Jahr für Jahr taucht die ominöse Laus bis heute immer wieder neu im "Pschyrembel" auf.

Gestern Am Dienstag kam die traurige Nachricht vom Tod Loriots. Der berühmteste Humorist unseres Landes ist, wie der Schweier Diogenes Verlag mitteilte, zu Hause "sanft entschlafen".

Szenen und Pointen voller Sprachwitz

Loriots Szenen voller Sprachwitz und Pointen sind legendär - etwa der Sketch mit der Nudel im Gesicht beim Rendezvous oder der Cartoon "Herren im Bad" ("Die Ente bleibt draußen"). Auch seine beiden Kinofilme "Ödipussi" und "Pappa ante portas" begeisterten Millionen Menschen.

Loriot ist tot

Loriot im November 2008. Der Humorist ist tot.

© dpa

Die Familie habe den Schweizer Diogenes-Verlag gebeten, die Öffentlichkeit zu informieren, sagte eine Verlagssprecherin. Eine ergänzende Stellungnahme der Angehörigen sei nicht geplant. "Die Trauerfeier findet im engsten Familienkreis statt", sagte die Verlagssprecherin. Der Termin wurde nicht genannt. "Die Familie möchte dies nicht."

Loriot wurde zunächst mit Knollennasenmännchen in Zeitschriften-Cartoons bekannt. Später kamen die Fernseh-Sketche, etwa in der ARD-Serie "Loriot I-VI" in den 70er Jahren, hinzu. In Sketchen wie über die Familie Hoppenstedt trat Loriot meist selbst als wandlungsfähiger Schauspieler auf, oft mit seiner bereits 2007 gestorbenen Kollegin Evelyn Hamann.

Loriot schrieb legendäre Dialoge von Männern und Frauen, die seiner schlitzohrigen Meinung nach überhaupt nicht zusammenpassen, etwa über das weich- oder hartgekochte Frühstücksei.

Außerdem machte er den vielleicht bekanntesten Rentner und Lottomillionär der Fernsehgeschichte unsterblich: Erwin Lindemann (vom Schauspieler Heinz Meier dargestellt), der "seit 66 Jahren" Rentner ist und vor einem Fernsehteam völlig verwirrt seinen Plan verkündet, mit seiner Tochter und dem Papst eine Herrenboutique in Wuppertal zu eröffnen.

Erfolg auch mit Wum und Wendelin

Populär wurde auch das Zeichentrickpärchen Wum und Wendelin in der ZDF-Fernsehshow "Der große Preis" mit Wim Thoelke. Auch im Kino hatte Loriot, der als Künstlername die französische Bezeichnung für das Wappentier der Familie Bülow (Pirol = loriot) wählte, mit mehreren Filmen großen Erfolg.

Loriots Kinodebüt "Ödipussi" (1988) zählt zu den meistgesehenen Kinofilmen der deutschen Nachkriegsgeschichte, dem 1991 die grandiose Rentner-Posse "Pappa ante portas" folgte.

Manche nannten den aus Brandenburg an der Havel stammenden Offizierssohn, dessen Vorfahren am Hof von Friedrich dem Großen verkehrten, auch den "Karl Valentin des Cartoons und der Fernsehunterhaltung" oder "Deutschlands komischste Figur".

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