Ärzte Zeitung online, 26.09.2011

Medizinstudent im 108. Semester darf an Uni bleiben

FRANKFURT/MAIN (Smi). An der medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität Kiel studiert ein Mann bereits im 108. Semester Medizin. Das hat die Pressestelle der Uni bestätigt.

Eine rechtliche Handhabe, den Langzeitstudenten zu zwangsexmatrikulieren, habe die Uni nicht, sagte Sprecher Boris Pawlowski. Hier müsse das Land Schleswig-Holstein aktiv werden.

Anfang der Woche hatte das Verwaltungsgericht in Schleswig die Zwangsexmatrikulation eines Medizinstudenten der Uni Lübeck, der zuvor 48 Semester lang studiert hatte, für rechtens erklärt.

Dieser Fall liege jedoch anders als der des Kieler Langzeitstudenten, erläutert Pawlowski. "In Lübeck gab es eine Einzelfallentscheidung aus formalen Gründen."

Der 70-Jährige hat bereits die Vorprüfung bestanden

Der Lübecker Student war zweimal durchs Physikum gefallen und hatte nach Ansicht der Hochschule keine Chance mehr auf eine abermalige Zulassung zur Prüfung. Gegen das Urteil kann der Mann beim Oberverwaltungsgericht aber noch Berufung einlegen.

Dagegen hat der inzwischen über 70-jährige Dauerstudent an der Uni Kiel seine Vorprüfung bestanden und könne daher rein rechtlich gesehen weiterstudieren, so Pawlowski.

"Bildungspolitisch ist eine solche Praxis natürlich nicht wünschenswert, aber uns sind die Hände gebunden." Allerdings habe die zuständige Landesbehörde "das Thema inzwischen für sich entdeckt" und werde möglicherweise die Studienordnung ändern.

Zunehmender Druck auf die Studierenden

Die Umstellung auf Master- und Bachelor-Studiengänge hat die Frage der Zwangsexmatrikulationen in den Fokus gerückt. Allgemeine Zahlen liegen zwar nicht vor, doch viele Universitäten üben zunehmend Druck aus, um sich von älteren Semestern zu verabschieden.

Die Universität Köln beispielsweise hat im August 32 Diplom- und Magisterstudenten zwangsexmatrikuliert, andere Hochschulen ziehen nach.

Möglich ist das in den Studiengängen, in denen die Hochschule die Prüfungsordnung festlegt. Das Staatsexamen in Jura oder Medizin dagegen regeln die Bundesländer.

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