Ärzte Zeitung, 19.10.2011

Miet-Meerschweine muntern einsame Artgenossen auf

Auch Meerschweinchen sind nicht gern allein. Für einsame Tiere vermittelt eine Schweizerin Käfiggenossen auf Zeit.

Von Kerstin Conz

Miet-Meerschweine muntern einsame Artgenossen auf

Meerschweinchen bei der Nahrungsaufnahme: In der Schweiz werden Meerschweinchen vermietet.

© Sawimedia S. Willnow / panthermedia.net

Ob schwarz, ob braun, junger Hüpfer oder alter Hase - Priska Küng hat für jeden etwas Passendes dabei. Die Grundschullehrerin aus Hadlikon, einem Dorf 30 Kilometer von Zürich entfernt, betreibt eine Partnervermittlung der besonderen Art.

Seit 2008 keine Einzeltierhaltung mehr

Die Hobbyzüchterin vermittelt Miet-Meerschweinchen für verwaiste Artgenossen. Denn laut Schweizer Tierschutzverordnung dürfen die Nager seit 2008 nicht mehr einzeln gehalten werden.

Doch was tun, wenn man irgendwann aus der Haustierhaltung aussteigen will? Priska Küng wurde im Bekanntenkreis mit dem Problem konfrontiert. Da Meerschweinchen praktisch nie gleichzeitig aus dem Leben scheiden, bleibt am Ende meist ein Tier allein im Käfig sitzen.

"Das ist nicht wirklich befriedigend", findet die Hobbyzüchterin. "Allein gehalten werden die Tiere apathisch oder fressen sich fett", sagt die Präsidentin des Dachverbands der Schweizer Meerschweinchenvereine. Schon zwei Meerschweinchen seien eher ein Kompromiss als artgerechte Haltung.

Leihmeerschweinchen für Notfälle

Kurzerhand entschloss Küng sich, für solche Notfälle eines ihrer Meersäuli, wie die Tiere in der Schweiz heißen, zur Verfügung zu stellen. Die Idee vom Leihmeerschwein war geboren. Streng genommen handelt es sich bei Küngs Partnervermittlung um einen Mietkauf.

Die Interessenten zahlen je nach Geschlecht den handelsüblichen Preis von 50 bis 60 Schweizer Franken (etwa 45 Euro). Bei Rückgabe bekommen sie einen Teil zurück erstattet. "Meerschweinchen sind relativ einfach zu vergesellschaften", weiß die 41-Jährige. Inzwischen haben die Leihmeerschweinchen im Internet ihre eigene Webseite. Seitdem gehen auch regelmäßig Anfragen aus Deutschland ein. (dpa)

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