Ärzte Zeitung online, 20.10.2011

IQ kann sich ändern - im Teenie-Alter

Ist die Intelligenz in die Wiege gelegt? Bislang gingen Forscher davon aus, dass der IQ eines Menschen weitgehend stabil bleibt. Nun haben britische Forscher das Gegenteil gezeigt.

LONDON (dpa). Der Intelligenzquotient (IQ) kann sich während der Teenagerjahre ändern. Das berichten britische Forscher (Nature 2011; online).

"Wir haben die Tendenz, Kinder relativ früh im Leben zu beurteilen und ihren Ausbildungsweg festzulegen", erklärte Studienautorin Professor Cathy Price.

Die Ergebnisse zeigten aber, dass sich die Intelligenz von Kindern noch entwickeln, ihr IQ signifikant verbessern könne. Leistungsstarke Kinder andererseits hielten ihr Potenzial womöglich nicht. Bislang galt die menschliche Intelligenz als über Jahre stabil.

Zwei Untersuchungen in vier Jahren

Die Wissenschaftler vom Wellcome Trust Centre for Neuroimaging am University College in London hatten 33 Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren untersucht.

Von ihrem Gehirn wurde eine Aufnahme mittels Magnetresonanztomografie gemacht, zudem unterzogen sie sich einem gängigen Intelligenztest.

Dabei wurden Sprache, Allgemeinwissen und Gedächtnis sowie Fähigkeiten wie das Suchen nach fehlenden Bildelementen oder das Lösen von Puzzles analysiert.

Vier Jahre später wurden die Jugendlichen - die nichts von dem zweiten Test wussten - erneut untersucht.

Veränderungen an der grauen Hirnsubstanz

Die Testwerte bei den Intelligenzquotienten variierten zwischen 77 und 135 beim ersten Termin und zwischen 87 und 143 beim zweiten Termin.

Einige der Jugendlichen verbesserten ihr Ergebnis in den Tests um 20 Punkte. Andere verschlechterten sich um einen ähnlichen Betrag.

Dabei konnten sich die Ergebnisse bei einzelnen Fähigkeiten unterschiedlich entwickeln. Parallel habe sich die graue Hirnsubstanz verändert, die überwiegend aus Nervenzellkörpern besteht, so die Forscher.

Je dichter die Hirnsubstanz, desto höher der IQ

Ein Anstieg des verbalen IQ (Sprache, Gedächtnis) korrelierte demnach mit einer Zunahme der Dichte der grauen Hirnsubstanz in einer Region der linken motorischen Großhirnrinde, die beim Sprechen aktiviert wird.

Im vorderen Kleinhirn wiederum zeigte sich eine Zunahme der Dichte der grauen Hirnsubstanz bei einem Zuwachs des non-verbalen IQ - also etwa Puzzle- und Bildsuche-Fähigkeiten. Diese Hirnregion wird mit Bewegungen der Hand in Verbindung gebracht.

Erklären ließ sich das Auf und Ab des Intelligenzquotienten zunächst nicht. Diskutiert werde, dass die Kinder - je nachdem - Früh- oder Spätentwickler sein könnten, hieß es.

Darüber hinaus könnte aber auch die Ausbildung eine Rolle spielen. Die Wissenschaftler sehen Hinweise dafür, dass das Gehirn im Verlauf des Lebens formbar bleibt und sich an neue Herausforderungen anpassen kann.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

Konsequente Strategie gegen Diabetes

Angesichts der epidemischen Zunahme von Diabetes-Patienten in Deutschland, muss die nächste Bundesregierung unbedingt den Nationalen Diabetesplan umsetzen. mehr »