Ärzte Zeitung online, 28.10.2011

Jackson-Prozess: Propofol-Experte vor Gericht

LOS ANGELES (dpa). Die Verteidigung im Prozess gegen Michael Jacksons früheren Leibarzt hat am Donnerstag als Hauptzeugen einen Propofol-Experten befragt.

Der Narkosespezialist Paul White sagte vor der Jury, dass der Tod des Sängers nach einer niedrigen Dosis des Narkotikums Propofol nicht zu erwarten gewesen sei.

Der wegen fahrlässiger Tötung angeklagte Herzspezialist Conrad Murray hatte im Juni 2009 bei der Polizei angegeben, dass er seinem Patienten nur eine kleine Menge des starken Mittels verabreicht habe.

Die Anklage zeichnete in den vergangenen Wochen ein anderes Bild, wonach Jackson eine große Menge Propofol intravenös erhalten hatte. Laut Autopsiebericht war der Sänger an einer Überdosis des Betäubungsmittels gestorben.

War Jackson opiatabhängig?

Ein weiterer Arzt sagte am Donnerstag in Los Angeles aus, dass Jackson aus seiner Sicht vermutlich von dem Schmerzmittel Pethidin (in den USA Demerol) abhängig war.

Der Sucht-Experte Robert Waldman hatte Unterlagen eines Hautarztes ausgewertet, der Jackson regelmäßig behandelt und bei den Eingriffen große Mengen des Schmerzmittels gespritzt hatte.

Waldman legte nahe, dass der Sänger als Folge von Demerol-Entzug unter starker Schlaflosigkeit litt. Drei Tage vor seinem Tod hatte Jackson von dem Hautarzt die letzte Spritze erhalten.

Der Prozess befindet sich in der fünften Woche. Nach Vernehmung des letzten Zeugen könnte das Verfahren in der kommenden Woche zur Urteilsfindung an die Geschworenen gehen.

Es wird nicht erwartet, dass Murray selbst in den Zeugenstand tritt. Im Falle eines Schuldspruchs drohen dem 58-jährigen Mediziner bis zu vier Jahre Haft.

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