Ärzte Zeitung online, 29.12.2011
 

Jeder Mensch ist seines Glückes Schmied

FRANKFURT/MAIN (jvb). Glücklichsein ist angeboren. Die gute Nachricht: Man kann es auch trainieren. "Denn über den zugrunde liegenden biologischen Mechanismus verfügt jeder", sagte Professor Tobias Esch von der Hochschule Coburg auf der FischerAppelt-Veranstaltung "Glück auf Rezept - Kann der Geist den Körper heilen?" in Frankfurt.

Jeder Mensch ist seines Glückes Schmied

Hier muss NO im Spiel sein: Glückliche Frau.

© chris-m / fotolia.com

Die menschlichen Gene prägen nur knapp zur Hälfte (40 Prozent) die Fähigkei,t glücklich zu sein. Weitere 40 Prozent kann der Mensch, zum Beispiel durch sein Verhalten, selbst beeinflussen.

Dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit "reduziert nachweislich Stress, führt zu weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herztoten. Das wurde auch in großen Bevölkerungsgruppen bestätigt", so Esch.

Glück basiere darauf, positive Erfahrungen zu erinnern und zu wiederholen. Daher evaluiere das Gehirn stetig das Verhalten. Positive Handlungen setzten im Körper dann einen Cocktail an "Belohnungshormonen" frei, sodass Menschen das Gefühl von Zufriedenheit spüren.

Ohne Neugierde also auch kein Glück. "Wenn wir nie etwas Neues erleben, bekommen wir auch nicht die Chance auf einen richtigen Ausstoß von Belohnungshormonen", erklärte Esch. Die zweite Zutat, um Glück empfinden zu können, sei, Erfahrungen mit anderen zu teilen.

NO macht froh

"Besonders interessant für mich als Arzt ist, dass Glück die Gesundheit fördert", meinte der Allgemeinmediziner Esch. Während Stress den Blutdruck steigert und das Immunsystem schwächt, stärkt Glück die körpereigene Abwehr und mindert Ängste und Depressionen.

Neurobiologisch machen das verschiedene Hormone möglich. "Ursächlich für den Zustand tiefer Zufriedenheit ist Stickstoffmonoxid", erklärte Esch. Das Molekül verhindert, dass Stresshormone wirken können.

Bei Vorfreude setzt der Körper Dopamin frei. Hat es das Ereignis dann erfolgreich geschafft, verarbeitet der Körper Dopamin zu endogenem Morphium, wodurch mehr Stickstoffmonoxid ausgeschüttet wird.

Was jeder für das eigene Glück tun kann, fasste Esch in vier Punkten zusammen: Positiv denken und handeln, pro Tag eine halbe Stunde bewegen, 20 Minuten täglich für sich Zeit nehmen und mediterran oder asiatisch essen.

Denn diese Ernährung kann das körpereigene "Belohnungssystem" ankurbeln und dazu führen, dass der Körper Stickstoffmonoxid ausschüttet, sagte Esch. Glück kommt also nicht nur selten allein, sondern jeder hat es selbst in der Hand.

[02.01.2012, 23:39:46]
Freya Matthiessen 
Tatsächlich kann ein Mensch manchmal des eigenen Unglück(e)s Schmied sein!

Siehe "verunglückte" Überschrift meines mehr oder weniger glossistischen Kommentars vom 30.12.2011.

Freya Matthiessen zum Beitrag »
[30.12.2011, 21:10:11]
Freya Matthiessen 
Tatsächlich, kann manchmal ein Mensch seines eigenen Glückes Schmied zu sein.


Sehr geehrte Frau Dr. Neuhaus,

in Ihrem Kommentar zum Artikel „Jeder Mensch ist seines Glückes Schmied“ von 29.12,2011 „tadeln“ Sie den Autor der Anwendung eines Amerikanismus in seinem Satz:

„Glück basiere darauf, positive Erfahrungen zu erinnern und zu wiederholen“.

Sie erinnern daran, dass im Deutschen „sich erinnern“ ein reflexives Verb sei. Klar, wenn Sie „sich“ schon mal vor das Verb gesetzt haben.
Könnten Sie das Verb vielleicht doch auch ohne akzeptieren?

Reflektieren wir doch einmal Ihre Aussage.

(1) Frau Dr. Neuhaus, erinnern Sie sich noch des Genitivobjekt(e)s ?
Der Genitiv ist unerlässlich, falls Sie die „gehobene“ Sprachform bevorzugen sollten!

“Glück basiere darauf, sich positiver Erfahrungen zu erinnern...“

(2) Mir gefällt die norddeutsch-korrekte - nicht reflexive - Variante, zum Beispiel in dem Satz: „Ich erinnere glückliche Zeiten an der Küste“.
In dem Satz „Ich erinnere mich (auch?) an glückliche/glücklicher Zeiten...“ wäre der Sinn verändert.

Sie haben Recht, Frau Dr. Neuhaus, die Deutsche Sprache ist „reich“, weil nicht auf formale Regeln beschränkt.

(3) "Glück basiere darauf, positive Erfahrungen zu erinnern und zu wiederholen."

Ich gehe davon aus, dass der Autor nicht die norddeutsche Variante gewählt hat, sondern das Stilmittel “constructio ad sensum“, also sinngemäß korrekt, wenn er auch grammatisch - in Ihrem Sinne - nicht korrekt formuliert hat.

(4) Hier habe ich noch etwas für Ihre Kritik in dem Artikel gefunden:

„Was jeder für das eigene Glück tun kann, fasste Esch in vier Punkten zusammen: Positiv denken und handeln, pro Tag eine halbe Stunde bewegen, ....“

Bewegt Sie die nicht reflexive Anwendung des Verbs „bewegen“?
Oder handelt es sich vielleicht um die transitive Form?

Oh, hätten wie doch das Kanzleideutsch zu Luthers Zeiten beibehalten. Oder?

Mein Kommentar war für mich eine heitere Pause.
Danke für die Anregung Frau Dr. Neuhaus.

Man sollte sich verstärkt der „Expurgation“ von oft (meist?) unnötigen Latinismen und Gräzismen, zum Beispiel in Patientenbriefen, widmen. Macht Patienten glücklich. (Ohne Subjekt als constructio brevis ..oder so..).

Freya Matthiessen
 zum Beitrag »
[29.12.2011, 11:47:16]
Dr. Birgit Neuhaus 
Gutes Deutsch macht auch glücklich!
"Glück basiere darauf, positive Erfahrungen zu erinnern und zu wiederholen."
Im Deutschen ist "sich erinnern" ein reflexives Verb. Es heißt also "sich an positive Erfahrungen zu erinnern".
Es macht mich unglücklich (und senkt somit auch meine NO-Produktion), wenn zunehmend Journalisten diese schleichende Amerikanisierung der deutschen Sprache antun.
Ich bin kein Deutsch-Tümler, aber unsere Sprache ist so reich, warum müssen wir sie mit diesen amerikanischen Vereinfachungen verunstalten? zum Beitrag »

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