Ärzte Zeitung online, 11.11.2011

Antalya: Prozess um Alkoholpanscher vor Urteil

ANTALYA (dpa). Der Alkoholpanscher-Prozess um den Tod von drei Lübecker Schülern in der Türkei steuert auf ein Urteil zu.

Die türkische Opferanwältin Deniz Yildirim und ihr deutscher Kollege Frank-Eckhard Brand sagten, sie rechneten nach fast zwei Jahren und vielen Vertagungen an diesem Freitag mit einem Richterspruch in Antalya.

Der Vorsitzende des zuständigen Strafsenats habe bereits am letzten Verhandlungstag am 1. November erklärt, der Fall sei entscheidungsreif, sagte Brand.

Die drei Schülern waren im März 2009 während einer Klassenfahrt in der Türkei an einer Methanolvergiftung gestorben.

Getränke mit Methanol "gestreckt"

Angeklagt sind 13 türkische Staatsbürger. Den beiden Hauptangeklagten wird vorgeworfen, vorsätzlich Schnaps mit hochgiftigem Methanol gepanscht und dadurch den Tod der Schüler verschuldet zu haben.

Die Schüler hatten während ihrer Klassenreise im Hotel "Anatolia Beach" in der türkischen Touristenhochburg Kemer den tödlichen Cocktail getrunken, den sie für Wodka hielten.

Ein 21-Jähriger starb noch in Kemer an einer Methanolvergiftung, ein 17- und ein 19-Jähriger fielen ins Koma und starben später in der Uniklinik Lübeck.

Plädoyer auf Totschlag

Mehrere Mitschüler, die ebenfalls von dem gepanschten Alkohol getrunken hatten, überlebten. Sie leiden aber nach Angaben Brands bis heute an Sehstörungen.

Das Urteil in dem Indizienprozess wurde seit März immer wieder verschoben, weil Unterlagen fehlten. Zuletzt musste die Verhandlung vertagt werden, weil einer der in Haft sitzenden Hauptangeklagten nicht vorgeführt worden war.

Seine Ladung war an das falsche Gefängnis geschickt worden. Der Staatsanwalt hat auf Totschlag plädiert. Mehreren Mitangeklagten wirft er fahrlässige Tötung vor. Für Totschlag sind bis zu 25 Jahre Haft möglich.

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