Ärzte Zeitung online, 19.11.2011

Computerprogramm gegen Fledermaus-Tod durch Windräder

Der Ausstieg aus der Atomenergie ist beschlossene Sache, Deutschland braucht deshalb mehr Windparks. Forscher der Universität Hannover untersuchen, wie dies mit dem Fledermausschutz zu vereinbaren ist.

Computerprogramm gegen Fledermaus-Tod durch Windräder

Windrad bei Nacht - immer wieder sterben Fledermäuse, aber nicht durch Kontakt mit den Rotoren, sondern durch die erzeugten Druckunterschiede. %copy; dpa

Von Christina Sticht

Für den Ausbau der erneuerbaren Energien sind sie unersetzlich, für Fledermäuse können sie zur Todesfalle werden: Windkraftanlagen bedeuten eine Gefahr für die nachtaktiven Tiere.

Um die streng geschützten Arten vor dem Zusammenstoß mit Windrädern zu bewahren, haben Forscher der Leibniz Universität Hannover gemeinsam mit Kollegen der Universität Erlangen-Nürnberg ein Computerprogramm entwickelt. Jetzt soll das Fledermausschutzprogramm praktisch erprobt werden.

Das Bundesumweltministerium stellt den Forschern aus Hannover für dieses Projekt 400.000 Euro zur Verfügung.

"In den 72 von uns untersuchten Windenergieanlagen an Standorten in der ganzen Bundesrepublik verunglücken im Schnitt knapp zehn Fledermäuse jährlich", berichtete Professor Michael Reich vom Institut für Umweltplanung der Uni Hannover im Gespräch mit der dpa.

Das Töten von Fledermäusen ist aber nach EU-Recht verboten. Behörden dürfen neue Windenergieanlagen nur dann genehmigen, wenn diese die seltenen Tiere nicht gefährden.

Die Insektenjäger kommen Reich zufolge vor allem in warmen Nächten von Juni bis September in den Anlagen zu Tode. Auch der Standort ist entscheidend.

Tod durch Druckunterschiede, nicht durch Kontakt mit Rotorblättern

"In unseren Untersuchungen haben wir an manchen Anlagen keine einzige tote Fledermaus entdeckt, an anderen Orten waren es bis zu 57 tote Tiere", sagte der Wissenschaftler. "Die Tiere sterben in vielen Fällen nicht durch direkten Kontakt mit den Rotorblättern, sondern erleiden durch die starken Druckunterschiede Schäden an inneren Organen."

Das Computerprogramm macht es möglich, einzelne Anlagen nach Bedarf in Zehn-Minuten-Intervallen an- und auszuschalten.

Derzeit suchen die Wissenschaftler Betreiber von Windparks, um zu testen, ob das Risiko von Zusammenstößen auf diese Weise tatsächlich verringert werden kann und welche Ertragseinbußen das für die Betreiber bedeutet. (dpa)

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