Ärzte Zeitung online, 19.11.2011

Sinai: Beduinen und Ärzte in Organhandel verstrickt?

AL-ARISCH/KAIRO (dpa). Hunderte afrikanische Flüchtlinge sind einem CNN-Bericht zufolge Opfer von kriminellem Organhandel in der Sinai-Wüste geworden. Drahtzier sollen angeblich Beduinen sein, die Flüchtlinge über die Grenze nach Israel schmuggelten sowie korrupte ägyptische Ärzte, hieß es in dem Bericht.

Ihre Opfer kommen vor allem aus dem Sudan, Äthiopien oder Eritrea. Den Flüchtlingen würden angeblich Nieren, Leber und andere Organe bei lebendigem Leibe entnommen. Die brutalen Eingriffe überlebten die Opfer in der Regel nicht.

CNN präsentierte Beweisfotos von der ägyptischen Menschenrechtsorganisation "New Generation Foundation for Human Rights" und der italienischen "EveryOne Group". Die Bilder zeigten Leichname von Flüchtlingen, denen Organe fehlten.

Die Toten seien auf der Sinai-Halbinsel gefunden worden. Ihre Körper wiesen starke Narben auf. Eine offizielle Bestätigung der ägyptischen Behörden lag nicht vor.

Der Leiter der ägyptischen Menschenrechtsorganisation, Hamdi al-Azzazi, sagte CNN, dass ägyptische Ärzte mit mobilen Operationszelten und sterilen Kühlboxen angereist seien.

Dann wählten sie ihr Opfer aus, betäubten es und entnähmen ihm Organe. Anschließend würden die schwer verletzten Flüchtlinge sich selbst überlassen werden und sterben. Al-Azzazi sprach von Hunderten Opfern.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte Ägypten jüngst in einem Bericht als regionalen Knotenpunkt für den Organhandel bezeichnet. Ägyptische Experten sprachen in dem CNN-Bericht von einem lukrativen Geschäft.

Der Preis je Organ fange bei 20.000 Dollar (14.800 Euro) an, sagte ein Beduine dem Sender. Er sei selbst im Organhandel aktiv gewesen.

Ein zweiter Beduine bestätigte die Angaben. Ihre Namen wurden nicht genannt.

Ein für Sicherheit im Norden der Sinai-Halbinsel zuständiger Polizeioffizier sagte CNN, seine Einheiten wüssten vom illegalen Organhandel in ihrem Verantwortungsbereich. Wer dahinter stecke, sei ihnen aber nicht bekannt.

Topics
Schlagworte
Panorama (33051)
Organisationen
CNN (170)
WHO (3428)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Appell zur rationalen Antibiotika-Gabe

Anlässlich des 11. Europäischen Antibiotika-Tages rufen KBV und vdek zum rationalen Einsatz von Antibiotika bei Erkältungen und Grippe auf. mehr »