Ärzte Zeitung online, 11.12.2011

Infektionsgefahr im Zug?

MRSA-Keime im ICE: Das Szenario klingt bedrohlich. Ein Bericht des NDR sorgt bereits vor seinem Erscheinen für Wirbel. Die Deutsche Bahn weist die Vorwürfe zurück.

Infektionsgefahr im Zug?

Auch Gleis 4 erhalten Einfahrt: die MRSA-Keime.

© dpa

BERLIN (dpa). Die Deutsche Bahn hat einen geplanten NDR-Bericht über Hygienemängel in ihren Zügen entschieden zurückgewiesen.

Eine DB-Studie mit unabhängigen Instituten habe erst kürzlich ergeben, dass es keinerlei Hinweise auf eine erhöhte Infektionsgefahr bei Bahnreisen gebe, teilte die Bahn am Sonntag in Berlin mit.

Der NDR hatte in einer Mitteilung zur einem für Montag geplanten TV-Bericht des Verbrauchermagazins "Markt" erklärt, bei Stichproben in Zügen seien massenhaft Keime und Bakterien auf Sitzplätzen, Armlehnen und Türöffnern gefunden worden.

Belastung kein Indiz für Sauberkeit

Die Bahn betonte, die Züge würden im Rahmen eines mehrstufigen Systems aufwändig saubergehalten: "Neben Tagesreinigungen gibt es Reinigungen während der Fahrt sowie darüber hinaus regelmäßige Grundreinigungen und Spezialreinigungen, für unter anderem Decken, Fußböden, Glas und Teppiche."

Zudem seien Keimbelastungen kein geeignetes Indiz für Sauberkeit, "sie finden sich überall im öffentlichen Raum und sind natürlicher Bestandteil unserer Umwelt."

Der NDR stellte in seinem Bericht fest, dass 50 von 70 Stichproben ein hohes, zahlreiche Proben sogar ein massenhaftes Wachstum von Keimen und Bakterien aufgewiesen hätten. In ICE-Zügen sei eine besonders hohe Keimbelastung festgestellt worden.

Mikrobiologen hätten diese Ergebnisse sehr überrascht, sagte eine Sprecherin des NDR auf Anfrage. Gesundheitsschädlich seien diese dann, wenn jemand in seiner Immunabwehr geschwächt sei, beispielsweise ältere Menschen.

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[12.12.2011, 08:36:11]
Dr. Karlheinz Bayer 
was hat MRSA mit Paranoia zu tun?

Zunächst, beim MRSA handelt es sich nicht um einen "neuen" Keim von besonderer Gefährlichkeit, sondern um einen ganz normalen Kolonisationskeim, genauso wie Escherichien im Darm das Normalste auf der Welt sind. Was diese Staphylokokken von andern unterscheidet ist, daß sie nicht auf Antibiotika ansprechen.
Kann man das den Staphylokokken verdenken?
Seit Millionen Jahren leben sie mit uns und auf uns und vermutlich schützen sie uns mehr, als daß sie uns schaden.
Jetzt kommt die Pharma-Branche und macht aus Keimen Erreger.
Es kommt eine ganze Branche von Desinfektoren dazu, die uns weismachen will, Händewaschen sei gesund. Nein! Genau das, genau die Zerstörung der normalen Keime fördert doch Resistenzen.
Paranoia ist, wenn man auf die Idee kommt, jetzt Züge keimfrei zu halten. Der nächste Schritt ... man darf garnicht daran denken, womöglich keimfreie Toiletten, weil man da hunderte von Keimen ...
Es ist immer wieder erstaunlich, daß NDR und andere Sender dann ganz offensichtlich auch die am schlimmsten paranoiden Wissenschaftler um deren Meinung frägt, statt z.B. Bahnbedienstete, die sagen würden, in jedem Jahr kommt es in den Zügen zur kalten Jahreszeit halt zu mehr Menschen mit Schnupfen und Husten, und hier fährt halt Gott und die Welt und mit denen jeder x-bleiebige Keim.
Wo kommen die MRSA her?
Von dort, wo man normale Staphylokokken mit Antibiotioka traktiert, und nur von dort. Da müßte auch der Hebel ansetzen, nicht in den Zügen.

Karlheinz Bayer, Bad Peterstakl

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[12.12.2011, 08:16:27]
Dr. Andreas Keibel 
Überraschung?
Ist das nicht eine selbstverständliche Sache, dass man im Zug einen Bakteriencocktail abbekommt, sofern man an eine hochfrequentierte Fläche anfaßt? Während einer Fahrt kann es vorkommen, dass man viele verschiedene Sitz-Nachbarn hat, die alle ihren Bakterienabdruck dort hinterlassen, wo sie hinfassen, Niesen usw.. Wenn man dann noch bedenkt, das die Reisenden Angst haben, die Klotüren mit der Maximaldosis an Keimen anzufassen, oder auch grade nicht, dann kann man sich doch ausmalen, dass Züge und andere öffentliche Plätze mit maximalem Personenwechsel hoch verkeimt sind. Vor allem im Winter.
Seit ich wieder mehr PKW statt Bahn fahre, bin ich viel seltener krank, früher bis zu 4x im Jahr jetzt maximal 1x.
Wenn das erst jetzt, nach über 100 Jahren Eisenbahn eine riesige Geschichte wird, dann wird es aber auch Zeit.
Als nächstes sollte man sich dann Busse, Straßenbahnen, Taxis, Türgriffe öffentlicher Gebäude usw. vornehmen.

A.Keibel
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