Ärzte Zeitung online, 20.12.2011

Nachruf

Horst-Eberhard Richter: Vordenker und Humanist

Er war einer der bedeutendsten Psychoanalytiker und Psychosomatiker Deutschlands, ein Vordenker und Humanist, der sich zeit seines Lebens für Frieden einsetzte: Horst-Eberhard Richter ist am Montag im Alter von 88 Jahren in Gießen gestorben.

Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter gestorben

Professor Richter ist tot.

© dpa

Horst-Eberhard Richter wurde am 28. April 1923 in Berlin geboren. Die Erfahrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus, sein eigener Kriegseinsatz und seine Gefangenschaft, die Ermordung seiner Eltern Monate nach Kriegsende - all das hat sein Denken und Handeln geprägt.

Richter studierte in Berlin Medizin, Philosophie und Psychologie, promovierte 1949 zum Dr. phil. und 1957 zum Dr. med. und übernahm 1962 einen der ersten deutschen Lehrstühle für Psychosomatik an der Uni Gießen.

Seine Abteilung entwickelte sich rasch zu einem führenden Zentrum für psychosomatische Medizin, das auch über Deutschland hinaus hohes Ansehen erwarb.

Einer der führenden Vordenker des Landes

Als Autor von Standardwerken wie "Eltern, Kind und Neurose" (1963) oder "Der Gotteskomplex" (1979) galt Richter bald als einer der führenden Vordenker des Landes.

Seine ärztliche Tätigkeit verstand er als gesellschaftspolitischen Auftrag, da die Medizin im Sinne einer lebensrettenden und -erhaltenden Kunst a priori pazifistisch sei.

Folgerichtig gehörte er zu den Mitbegründern der westdeutschen IPPNW-Sektion und verfasste die berühmt gewordene "Frankfurter Erklärung", in der es heißt: "Als Arzt erkenne ich nur eine einzige auf den Kriegsfall bezogene Form der Prävention an, die Verhütung des Kriegs." (Smi)

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