Ärzte Zeitung online, 29.12.2011

US-Chirurgen transplantieren drei Gesichter

In den USA haben drei Patienten große Teile der Gesichter hirntoter Gewebespender verpflanzt bekommen. Angehörige der Spender bestätigen, dass die rekonstruierten Gesichter nach der Transplantation denen der Spender nicht ähneln.

In den USA erstmals bei drei Patienten das Gesicht transplantiert

Bohdan Pomahac, Daniel Alam, und Julian Pribaz während einer der Transplantations-Ops.

© Brigham and Women's Hospital / Lightchaser Photography

BOSTON (ple). Die US-Patienten, bei denen die umfangreichen Gewebetransplantationen vorgenommen wurde, hatten durch Stromschläge oder Tierbisse im Jahr 2001, 2008 oder 2009 ausgeprägte entstellende Verletzungen im Gesicht erlitten.

Folge war unter anderem, dass die Patienten nicht mehr durch die Nase atmen konnten, einen starren Gesichtsausdruck hatten, den Mund nicht mehr schließen und nur schwer sprechen konnten.

Durch die Verletzungen verloren die Patienten große Teile des Weichteilgewebes der Wangen und der Nase, die Augenlider, ein Auge oder sogar beide Augen sowie die Lippen (NEJM 2011; online 28. Dezember).

Erfolgreich operiert wurden die Patienten im Brigham and Women´s Hospital in Boston bereits im März 2011.

Ein Patient konnte bereits drei Tage nach der Op wieder riechen und die Intensivstation verlassen, ein weiterer Patient konnte am vierten Tag wieder essen und trinken und nach Verlassen der Intensivstation sein neu geformtes Gesicht im Spiegel betrachten.

Empfindungen nach drei Monaten

Beide Patienten wurden nach 13 beziehungsweise 10 Tagen nach Hause entlassen. Der dritte Patient verließ erst nach 18 Tagen die Intensivsta tion und nach 38 Tagen die Klinik.

Um Abstoßungsreaktionen zu verhindern, erhielten die Patienten eine Immunsuppression mit Mycophenolat mofetil, Tacrolimus, Prednison und Anti-Thymozyten-Globulin (ATG).

In einem Video, das auf der Homepage der Zeitschrift "New England Journal of Medicine" abrufbar ist, dokumentieren die US-Ärzte um Dr. Bohdan Pomahac den beeindruckenden Erfolg der Gesichtstransplantationen.

Nach einem Vierteljahr war die Sensibilität der Haut aller drei Patienten so weit wieder hergestellt, dass in großen Bereichen beim Zwei-Punkt-Diskriminationstest - mit Hilfe der Spitzen eines Tastzirkels - zwei Punkte im Abstand von 15 mm unterscheidbar waren.

Nur bei einem der drei Patienten waren die motorischen Funktionen nicht wieder hergestellt.

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